Das Online-Buch

 

...UND IRGENDWIE GEHTS IMMER WEITER...

 

Die Hoffnung bleibt uns bis zuletzt

 

Danke an alle meine Freunde, die mir zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Beistand geleistet haben. Danke, Sepp und Peter, Heiner, Anita, Martin, Stephan, Hanne, Stefan, Birgitta, Gitte, Mam, Dad und Renè.

 

 

 

VORWORT

 

Das ist nun also die Geschichte, die ich eigentlich gar nicht schreiben wollte, denn was hier, in diesem Roman, alles passiert ist, reicht im Grunde genommen für 3 Leben.

 

Es ist die Geschichte von Franz, einem Mann um die 40, der einschneidende Beziehungserfahrungen mit einem anderen Mann – Horst Domberg – macht, den er, oh Wunder, über das vielbesagte Internet kennenlernt. Bevor die Hauptgeschichte mit Horst beginnt, der kurz nach dem Kennen lernen schwer erkrankt, wird noch die Vergangenheit erzählt, in der Benny, der Lügenbaron sowie Robert, angeblich unglücklich verheiratet, auftauchen.

 

Lassen Sie sich ein auf diese Geschichte. So offen wie eine Beichte, so phantastisch wie ein Hollywoodfilm und so hart wie nur das Leben sein kann.

 

Denn manches ist Schicksal. Und, kann man seinem Schicksal ausweichen? Nein! Also muss ich es aufschreiben, um mir die Seele zu erleichtern und vielleicht auch ein bisschen zu warnen.

 

Diejenigen, die zu den Leichtgläubigen gehören. Wenn ich auch bei den ersten beiden etwas übertrieben habe, möge es mir der Herr verzeihen, so ist die letzte so wahr wie es Sonne und Mond gibt. Leider.

 

Und legen Sie ein paar Papiertaschentücher bereit, damit Sie nach dem Lachen wieder die Buchstaben erkennen und damit sie sich zwischendurch die Brille putzen können, oder die Tränen trocknen können. Ganz wie SIE wollen……..

 

 

1. TEIL

 

RUSSISCH MIT IRINA

 

Die meisten meiner Freunde und Bekannten waren “unter der Haube”, wenn man das so sagen kann. Ich meine damit, daß die Mehrzahl einen Partner hatte.

Sepp hatte Peter, Stefan eins hatte Mathias, Stephan zwei hatte Stefan drei (Sorry, aber ich kenne so viele Stefans und Stephans), Heiner hatte Ulli, Markus hatte Martin, Thomas hatte Pitt, Wolfgang hatte Thorsten, Hans hatte Christian.

Irgendwie beschlich mich das Gefühl, ich wäre ein Einzelstück. War ich damit zufrieden? Nicht wirklich, denn der Grund war: Ich bin wohl das, was man ein gebranntes Kind nennt. Meine letzte Beziehung war über ein Jahr her und dauerte leidergottseidank nur 6 Wochen.

 

Benny hatte ich über meine beste Freundin Anita kennen gelernt. Als ich eines schönen Sommertages bei Anita zu Besuch war, war auch eine Bekannte von ihr da, Irina aus Russland. Wir saßen auf dem sonnigen Balkon bei Anita, genossen die warme Sommersonne und die fünfte Tasse Kaffee und redeten über alles mögliche. Irina und ich verstanden uns auf Anhieb sehr gut und irgendwann an diesem Nachmittag fragte mich Irina mit ihrem süßen russischen Dialekt: “Biest du noch Singäl?”

“Wieso, willst Du mich heiraten?” fragte ich zurück.

 

Irina lachte laut los und sagte dann: “Nain nain, ich chabe doch einen Freund. Ich fragä nurr, weil... weil, naja, du biest so nätt und Du chast so gäwissen Charm, gibt äs da keinen, däm du kleine Ecke in Deine grossen Härz eingerichtet hast?”

Poetischer geht’s kaum noch. “Nein, da gibt’s leider keinen. Weißt du Irina, ich glaub das liegt daran, weil mir der Richtige noch nicht über den Weg gelaufen ist“ antwortete ich. “Ach, ich känne da jämanden, sähr nett. Däm geht es auch so wie dir”, meinte sie und schwärmte mir von Benny vor.

Sie beschrieb ihn mir, als wolle Sie mir eine Wohnzimmereinrichtung verkaufen. “Är ist groß, är ist schlank, hat blaue Augen und blonde Hare und ungefähr so viel Jahre wie du”. Und Irina sagte wieder: “Der ist so nätt und so lieb, dän must Du einfach mal kännän lärnen. Mach ich Tärmin mit ihm”. O.k. Wenn Sie meint, sie muss da was arrangieren. Soll sie mal machen.

 

Nachdem sie mich so richtig neugierig auf Benny gemacht hatte, gab ich ihr meine Telefonnummer und meine e-mail Adresse. Nach diesem Nachmittag war ich total neugierig geworden. Ist Benny tatsächlich so “nätt” wie Irina ihn beschrieben hatte? Ist er der Richtige? Blöde Frage eigentlich, aber wenn man eine Zeit lang Single war, stellt man sich solche Fragen.

Die Tage vergingen, der Sommer zog durchs Land und nichts geschah. Ich bekam keinen Anruf und keine e-mail. Sollte dieser Benny sich in die Reihe derer eingeordnet haben, die nur heiße Luft reden oder Romantik nicht mal buchstabieren können? Ich verbrachte meine Zeit damit, wie es die meisten tun. Arbeiten und Leben. Den ausklingenden Sommer genoss ich oft an meiner heiß geliebten Isar, besuchte Freunde, mit denen ich zusammen lange Abende verbrachte, zeigte meinem Fahrrad die schönsten Waldtouren und war im Großen und Ganzen relativ zufrieden.

 

Einige Wochen später fand ich auf meinem Computer eine e-mail mit einem Absender, der nur aus Nummern bestand. Stutzig geworden aufgrund vieler Viren Warnungen öffnete ich diese e-mail nicht, sondern fragte erst mal in meinem Bekanntenkreis rum, was das sein könnte, oder wer mir so etwas geschickt hat. Keiner hatte eine Idee, nur Sepp meinte wie aus der Pistole geschossen: DAS ist ein Virus.

 

Michael, ein IT-Profi, denn ich auch noch angerufen hatte um zu fragen, was ich mit so einer Mail machen soll, meinte das gleiche. DAS ist ein Trojaner, da will irgendwer deinen Computer ausspionieren. Mach das ja nicht auf. Lösch es am Besten. Ein anderer „Spezialist“ meinte dann schließlich: Das ist ja völliger Humbug, das ist kein Virus,das ist eine Handynummer, da hat Dir jemand von seinem Handy aus eine e-mail geschickt, so einfach ist das. Und ich dachte schon, mein schöner PC wird Opfer eines hinterlistigen Hackerangriffes.

 

Also öffnete ich diese ominöse e-mail und wartete darauf, daß mein Computer explodiert oder sonst etwas passiert. BENNY Aber nichts davon geschah. Ein Fenster öffnete sich, und eine e-mail tauchte auf dem Bildschirm auf, darin stand:

“HALLO WIE GEHT ES DIR WUERDE MICH GERNE MAL MIT DIR TREFFEN SCHOENE GRUESSE VON IRINA - BENNY”

 

Ach nee. Endlich ein Lebenszeichen. Ich hab nicht mehr daran geglaubt, eigentlich fast schon vergessen. Aber nun: Benny meldet sich endlich. Die russische Mentalität hat halt mehr Geduld. Vielleicht hat Irina erst gestern von mir erzählt. Freu freu freu. Ich hüpfte wie Rumpelstilzchen vor meinem PC herum und schrieb ihm zurück: “Wenn unsere Freundinnen schon so begeistert sind von uns, sollten WIR uns doch auch mal treffen, wir könnten ja eine Flasche Kaffee oder ein paar Tassen Bier gemeinsam vernichten. *g*”

Benny schrieb: “WIE WAERS MIT FREITAG IM TABASCO LANDSBERGER STRASSE” kam von ihm umgehend die Antwort. Also haben wir für Freitag drauf ein Date in besagter Tapas- Bar in München ausgemacht.

 

Es war nicht viel los an dem Abend im Tabasco. An der Bar saß nur ein Mann. Ich vermutete schwer, daß das Benny sei. Er hatte ein Weißbier vor sich und redete mit dem Barmann. Ich stellte mich neben ihn und fragte: “Eine Fee sagte mir, daß Dein Name Benny ist, richtig?” Er grinste mich an, ließ eine Reihe schneeweißer Zähne dabei blitzen und erwiderte: Dann flüstert mir ein Englein gerade, daß Du Franz heißt, richtig?”

 

Damit war das Eis gebrochen und wir unterhielten uns ausgesprochen gut. So viel Gesprächsstoff hatte ich lange nicht mehr. Wir kamen von einem aufs andere. Von Stadtleben auf Landleben, auf Spaziergänge durch den Wald und am See, auf lustige Erlebnisse während unserer Urlaube, wir redeten über Strompreise und Kochrezepte, über Zwergkaninchen, deren Stallverhalten, über Beziehungsprobleme, Sturmschäden und Badestrände an der Isar. Jeder von uns beiden hatte immer wieder etwas zu erzählen. Die Zeit ging vorbei wie im Flug.

 

Als Benny nach Mitternacht auf die Uhr kuckte, sagte er: “Was, schon zwölf durch, ist ja nicht zu fassen, kommst Du noch mit zu mir? Ich wohn gleich um die Ecke.” Aha, dieser schicksalhafte Satz dürfte wohl jedem Beziehungssuchenden bekannt sein?! ...Kommst Du noch mit zu mir... Da sollte es klingeln!

Ja, nein, doch, eigentlich wollt ich eigentlich nicht…… Eigentlich wollte ich nicht, aber dieses blöde Wort “eigentlich“. Das ist ja schon eine Einschränkung. Ich wollte schon, aber irgendwie auch nicht, denn meine moralischen Bedenken. Stop. Nein, nicht moralische Bedenken, eher meine moralischen Prinzipien meldeten sich zu Wort und sprachen zu mir: ‚Schätzelein, du hast dir doch selbst gesagt, nie beim ersten Date in die Kiste!!!’

 

Meine Gedanken kreisten um diese Einladung. Und die beiden kleinen Männchen in meinem Kopf tauschten ihre Meinung aus: Teufelchen sagte: Das ist doch offensichtlich, was jetzt folgt, oder? Engelchen meinte: Nein nein, vielleicht will er dir nur seine Wohnung zeigen!

Teufelchen wieder: Schätzchen, auf welchem Planeten lebst Du denn? Engelchen: Aber vielleicht ist er wirklich nur daran interessiert, wie du seine Wohnung findest! Teufelchen : Deinen Glauben will ich haben, das ist seit 1000 Jahren so und wird sich nie ändern!

 

Was sollen meine moralischen Grundsätze denn eigentlich, jetzt stell Dich nicht so an, sagte ich zu mir. Vielleicht bin ich schon zu lange Single? Also! Also was? Also geh mit! Überredet.de! Teufelchen hat gewonnen.

 

Benny bewohnte mit einem Arbeitskollegen eine 4 Zimmer Wohnung. Die Wohnung war kühl und sachlich eingerichtet. Möbel, die nicht wirklich zusammen passten. In meinen Augen etwas schmucklos, aber vielleicht war ich da zu anspruchsvoll. Die Küche war zwar groß, eine richtige Wohnküche. Daß die Küchenzeile mindestens 25 Jahre auf der Arbeitsplatte hatte, sah man ihr einfach an. Das Wohnzimmer war sehr klein und verdiente eher die Bezeichnung Fernsehzimmer, da der Fernseher sofort ins Auge fiel, als man das Zimmer betrat. Aber die Couch war sehr einladend und gemütlich, was ich sofort testete.

 

Als ich es mir auf der Couch gemütlich machte, setzte er sich neben mich, legte mir den Arm um die Schulter und flüsterte mir ins Ohr: “Ich find es so toll, daß Du hier bist” Dann küsste er mich zärtlich auf den Hals und leckte mit der Zungenspitze diese ganz empfindliche Stelle zwischen Ohrläppchen und Hals entlang.

 

Ich glaube, diese Gegend oder sagen wir mal dieses „Randgebiet“ hat man auch als erogene Zone deklariert. Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Wow, wie lange hatte ich DAS vermisst!

Einen zärtlichen Mann im Arm zu halten und zu knutschen. Zärtlich und wild zugleich. Nachdem wir uns ich weiß nicht wie lange auf der Couch vergnügt hatten, verlegten wir die ganze Angelegenheit in sein Schlafzimmer. Dort zog er mir langsam und von Küssen unterbrochen, jedes Kleidungsstück einzeln aus und drückte mich auf sein Bett um mit seinen Lippen und seinem Mund jeden Quadratzentimeter meines Körpers zu erforschen.

 

Den Rest überlasse ich Ihrer Phantasie! Jedenfalls sind wir morgens gegen 5 Uhr, die erste Straßenbahn fuhr schon am Schlafzimmerfenster vorbei, in einen kurzen Tiefschlaf gefallen. Eng umschlungen, einem Schlaf, den die Erschöpfung gefordert hat, nachgebend. Diese kurze Nacht war der Anfang einer Beziehung.

Benny hatte viel Zeit, er hatte gerade 4 Wochen Urlaub. Beruflich, sagte er mir, sei er Oberkellner im “Platzl”, einer bekannten Gaststätte und feiere jetzt seine Überstunden ab.

 

Das war natürlich wunderbar, denn so konnte ich ihn so oft sehen, wie ich wollte und fuhr anfangs jeden Tag nach meiner Arbeit 40 km zu ihm nach München. Wir kosteten die Verliebt- heitsphase in allen Situationen aus, gingen Händchen haltend spazieren, waren auf jedem Straßenfest dabei und zeigten unsere Verliebtheit jedem der sie sehen wollte und auch jedem der sie nicht sehen wollte. Unsere Wolke war rosa und auf Stufe ganz oben. 14 volle Tage lang.

 

Nach 2 Wochen hat er sich - was seinen Job betrifft - immer öfter in gewaltige Widersprüche verwickelt und immer mehr Ungereimtheiten von sich gegeben. Irgendwann hat er sich dann mal total verhaspelt und es stellte sich heraus, daß sein “Urlaub” wohl noch länger als 4 Wochen dauert… Sprich, ganz einfach, er hatte keinen Job mehr. Nein.

 

Er arbeitete für die „Süddeutschen Hammerwerke“ (= Arbeitsamt). Dann tauchten da noch so ein paar Seltsamkeiten auf. Irgendwann erzählte er mir, er habe schon mal für ein paar Monate auf Fuerteventura gelebt und dort mit einem Freund eine Strandkneipe betrieben. Eine Woche später war es dann plötzlich nicht mehr Fuerteventura, sondern Lanzarote. Sollte ich bei seiner ersten Schilderung nicht richtig aufgepasst haben, oder war er nur in Erdkunde schlecht?

 

Seltsam war auch, daß in seiner Wohnung der Kollege wohnte, der wohl mal mit ihm zusammen war. Benny ärgerte sich ständig, daß der Kollege nie Geld hatte, seinen Mietanteil nicht bezahlen würde und jede Nacht in einem anderen Bett schlafen würde. Irgendwie hörte sich das ganze so an, als ob ein altes Ehepaar nun alle Register der “was-mir-alles-an-dir-nicht-passt” Geschichten aus der Schublade zieht.

Aber dann gingen meine Gedanken in eine andere, vielleicht richtige Richtung. Eifersucht.de??? Nicht von mir, nein nein, Benny auf seinen Ex? Man weiß es nicht ganz genau!

Nach einem Krach mit dem Kollegen meinte Benny, jetzt reicht es ihm, er schmeißt ihn jetzt raus. Gesagt, getan. Mit der Begleiterscheinung, daß er also nun ein Zimmer in seiner Wohnung frei hatte! Nein, denken Sie nicht, was Sie jetzt denken. Hallo! So bescheuert bin ich nicht, will ich mal gesagt haben! Ich wäre ja verrückt gewesen, meine schöne Wohnung auf dem Land aufzugeben, in die Stadt zu ziehen und jeden Tag 40 Kilometer in die Arbeit zu fahren. Nein, es kam ganz anders.

 

 

STEPHAN ZIEHT UM

 

Einer meiner Brüder, der im schönen Bad Tölz wohnte, spielte schon seit langer Zeit mit dem Gedanken, in die Stadt zu ziehen. Stephan meinte schon immer, daß nur in der Stadt das Leben lebenswert sei. Im Sommer findet das Leben in der großen Stadt vor der Haustür statt, und wenn die Luft im Mai schon italienisch angehaucht, sprich mild ist, muss man nur die Haustür aufmachen und ist mittendrin im Leben, im Flair, im Nightlife.

Das sind die Vorteile einer Großstadt. Nur da kann man leben, meinte Stephan. Alles was man(n) braucht, ist da. Schwules Leben, Arbeit, Vergnügen, Erholung.

 

Und Auto braucht man in der Großstadt je eh keins mehr, weil überall U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahnen fahren. Und nachdem Stephan bei allem Bemühen auf dem Land kein Lebensgefühl entdecken konnte, kam ihm die Idee, das Zimmer bei Benny zu mieten, gerade Recht. Ob die Idee gut war, zeigt sich eine Probe aufs Exempel.

 

Stephan hatte sich also gerade mit Benny geeinigt, daß er probeweise mal für ein paar Tage bei ihm in München wohnen könnte. Nachdem nun also Stephan das Großstadtflair Münchens testete, genauer gesagt, auf irgendeiner Fete versumpft ist und deshalb zu Fuß in seine “Probewohnung” stiefelte, es dort irgendwie schaffte, sich seiner Kleidung zu entledigen um in seinen wohlverdienten Ausnüchterungsschlaf zu kommen, träumte er seinen Lieblingstraum:

Eine 3 Zimmer Dachterrassenwohnung in Schwabing zu haben, mit Telefon auf dem Klo, genug Geld dazu, um sich diese leisten zu können, einen zu der Wohnung gehörenden Parkplatz zu besitzen, was in München nicht einfach ist, einen Arbeitsplatz zu haben, der mit dem Fahrrad erreichbar ist und einen Lebenspartner zu haben, der ihn liebt, ehrt und schätzt und hinter ihm steht, oder liegt.

 

Moment mal, hinter ihm liegt?

 

Ja, während Stephan so in seinem neuen Bettchen lag, seinen Lieblingstraum träumte und nebenbei seine teuer ertrunkenen Promille abbaute, spürte er, wie sich jemand neben ihm anschickte, ein bisschen Sex mit ihm haben zu wollen. Dieser Jemand war Benny, der sich tatsächlich nachts in Stephans Zimmer schlich, sich ebenfalls seiner Klamotten entledigte, und zwar aller Klamotten, unter die Bettdecke kroch und dort begann, das Opfer seiner Begierde zu befummeln und anfing, sich langsam hinter Stephan zu kuscheln und sich mit seinem Ständer an ihm zu reiben.

 

Ganz nebenbei bemerkt, war Benny eigentlich mein Freund und wir zu der Zeit eigentlich noch zusammen. Eigentlich.

 

Nachdem Stephan also jäh aus seinem Traum erwachte, Benny von sich runter schubste und schimpfend in seine Klamotten schlüpfte, seine 3 Zwetschgen zusammen sammelte um sich morgens um halb vier ins Auto setzte, mich von da aus erst mal anrief und aus dem Bett klingelte um mir mitzuteilen, daß er in 20 Minuten bei mir wäre. “Was? Wieso? Warum?“ fragte ich noch, aber Stephan sagte: „Jetzt wart halt noch a bisserl, des muss ich Dir genauer erklären, des erzähl ich Dir, wenn ich da bin“.

 

Kurz darauf war er bei mir, um mir das eben passierte zu schildern. Ich war erst mal völlig von den Socken. Ich frage 3 bis 5 mal nach: “Warst Du wirklich bei Benny in der Wohnung?“ „Ja, freilich“. “Und das ist alles wirklich bei, äh, mit Benny passiert?“ „Ja freilich“. “Du hast das nicht alles geträumt?“ „Nein, wie oft soll ich’s Dir denn noch erzählen?“ wurde er sichtlich sauer, weil ich wohl seeeehr doof geschaut haben muss.

 

Hab ich das jetzt kapiert, oder hab ich das jetzt kapiert? Nachdem Stephan mir die Situation mehrmals schilderte, hatte sich das Zusammensein zwischen Benny und mir quasi von selbst erledigt. 4 Wochen hat es gedauert. Nicht gerade ‘ne Rekordleistung in Punkto Beziehungsdauer. Somit hab ich nicht mal den Durchschnitt der schwulen Beziehung geschafft, der soll angeblich bei 6 Wochen liegen.

 

Der Rest lief ab, wie er immer abläuft. Man(n) telefoniert kurz miteinander, macht einen Termin aus, um seine Habseligkeiten auszutauschen, wünscht sich ein schönes Leben, im schlimmsten Fall auch einen schönen Tod und sieht sich nie wieder. Und Stephan?

 

Hatte erst mal genug vom Leben in der großen Stadt und zog zurück aufs “Land”. Für kurze Zeit.

 

 

VENEDIG HEISST SCHICKSAL

 

Angefangen hat es damit, weil am Ende der Punkt fehlt. Klingt witzig, ist es aber nicht. Robert, nein, ICH - ja ich hab zu spät gemerkt, wann ich ihn bremsen muss. Er hat mir allerlei anvertraut, seine Ängste, seine Sorgen, seine Liebe zu mir.

 

Das war ein großartiger Moment für mich zu erleben, wie ein “verheirateter“ Mann, der scheinbar heterosexuell veranlagt scheint, mir seine Gefühle offenbart, gesteht, etwas mehr als nur Freundschaft für mich zu empfinden. Da war ich - glaub ich zumindest - ein Jahr später immer noch einer der glücklichsten Menschen auf diesem Erdball.

 

Dann kam unser “gemeinsamer “ Freund Theo ins Spiel. Und ab da ging es “an Booch ohbe”, wie es der oberbayrische Landbe- wohner so gerne ausdrückt, wenn etwas den Bach runter geht……

 

Kennen gelernt habe ich Robert im Mai 1998, als Theo seinen 50. Geburtstag vorbereitete. An einem Dienstag Abend im April hat mich Theo gebeten, bei ihm vorbeizukommen. Ein Freund von Theo hat ein Puzzle gemacht. Aus einem Foto seines Gesichtes. Die Teile dieses Puzzles sollten nun in 50 Tütchen verpackt werden, damit die Geburtstagsgäste etwas zu basteln haben.

 

Als ich bei Theo ankam, war Robert schon da und ich war mehr als begeistert von ihm. Robert hatte blonde Locken, blaue Augen, ca. 1,88 groß, ein Lächeln von der Breite des Amazonas und immer einen humorvollen Spruch auf den vollen Lippen. Ein Bild von Mann mit seinen 25 Jahren.

 

Es war ein sehr lustiger Abend, als Theo, Robert und ich das Puzzle mit dem Porträt von Theo zerkleinert und eingetütet haben. 2 Wochen später sind wir - Theo, Robert und ich - dann nach Venedig gefahren um den besagten 50. Geburtstag stilgerecht zu feiern. Viel Vorbereitungszeit hatte Theo nicht einkalkuliert, nur 1 Tag, aber es reichte, um die Tischkärtchen auszufüllen und jedem ein Tütchen mit ein paar Teilchen seines Puzzles aufzustellen.

Am großen Tag, Theo’s Geburtstag sind dann 50 geladene Gäste angereist, um abends dann in einem alten venezian- ischen Palast zu dinieren und zu feiern. Alles war perfekt organisiert, schön und herrlich dekadent. Der Eingang zum Palazzo war mit unzähligen bunten Blumen geschmückt, 2 Diener in Uniform empfingen die Gäste zum Sektempfang. Ein Abend mit Glitzer und Glitter.

Jeder hatte seinen besten Anzug bzw. sein schönstes Kleid an. Das alles erinnerte an eine der Gesellschaften, die wohl damals der Doge von Venedig gegeben haben muss. Venezianische Musik, Ballettmäuschen und ein 7 Gänge Menü ließen das Fest zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Das einzige, was fehlte, waren Paparazzis, die aber, in Ermangelung an „Very Important Persons“ natürlich fehlten. Es war ein zauberhafter Abend.

 

Die ganze Reise war zauberhaft, von der unbequemen Bahnfahrt im Schlafwagenabteil mal abgesehen. Naja, so im Nachhinein betrachtet war die Rückfahrt auch ganz o.k. weil Robert dabei war.

Die absoluten Highlights waren die, als ich Robert’s Nacken gekrault habe, versteckt, ganz heimlich, als wir zu viert auf einer Parkbank im Park von Venedig saßen, die Sonne genossen und die vorbei schlendernden Touristen beobachteten. Dort saß ich mit den anderen Jungs auf einer Parkbank, hatte die Arme auf die Lehne ausgebreitet und Robert ganz heimlich zärtlich den Hals gekrault, was er sichtlich genoss.

 

Oder, als wir Theo’s Geschenke ausgepackt haben und ich Robert’s Oberschenkel gekrault habe, oder als wir ziemlich betrunken von der Vorfeier des Geburtstages Arm in Arm nach Hause in unser Hotel geschlendert sind. Oder als wir immer wieder Arm in Arm durch Venedig gingen. Tagsüber, abends, nachts oder als wir von einem Restaurant zum überfluteten Markusplatz gewandert sind, gemeinsam unter einem Regenschirm, Arm in Arm.

 

Aber die Krönung des ganzen war die Heimreise. Auch das schönste Fest geht einmal zu Ende, die Aufräumarbeiten sind vorbei und fast alle Gäste wieder abgereist. Und wir waren auf dem Weg zum Bahnhof. Als wir in unseren Zug stiegen und unser Abteil fanden, legten wir uns erst mal auf die Pritschen im Liegewagen. Dort kamen wir dann, ich weiß nicht mehr wie, irgendwie auf das Thema „Schwul sein“.

 

Robert lag auf meiner Pritsche, mir gegenüber und ich parkte meine rechte Hand auf seinem Oberschenkel. Da sagte er plötzlich: “Aber nicht weiter rauf“, und lachte dabei. „Weißt du,“ erzählte er weiter: „mich erregen beide Geschlechter, also Männer und Frauen”.

Wie bitte? Sagte er gerade erregen? Ich konnte mich dann auch plötzlich wieder daran erinnern, daß mir Theo einmal erzählte, daß Robert mit 17 eine gleichgeschlechtliche Erfahrung gemacht hatte. Irgendwie verwirrte mich das alles sehr.

 

Da war nun ein wunderschöner Mann auf meiner Pritsche, der zu Hause Frau und Kind hatte und mir in einem Liegewagen der italienischen Staatsbahn erzählte, daß ihn beide Geschlechter erregen…

 

Dann klappten die Türen des Zuges zu und er fuhr los. Wir verstauten unser Gepäck, so gut es ging und legten uns auf unsere Liegen im 6-er Abteil. Robert links oben und ich rechts unten. Theo hatte das Bett rechts oben. Irgendwann sah ich dann, daß Robert von seiner Liegestatt oben zu mir runter sah. Wir schauten uns nur an und sprachen kein Wort. Das war mir dann irgendwie zu viel und ich stand auf, leise, damit ich keinen wecke und schlich mich auf den Zuggang hinaus um in einem Zwischenabteil eine Zigarette zu rauchen. Vermutlich um mich zu beruhigen.

Da stand ich also in meiner Jogginghose, meinem Schlabbershirt und zog am Glimmstengel. Dann, ich traute meinen Augen nicht, ging die Tür des Zwischenabteils auf und wer stand da in der Türe, nur mit einem Slip bekleidet?

 

Richtig, es war Robert, fast wie Gott ihn schuf. “Ist Dir auch so warm?” fragte er mich. “Ja, und jetzt noch mehr”, grinste ich ihm entgegen. Robert, oh mein Gott, wenn Du wüsstest, daß Du eine ungeheure Anziehungskraft auf mich ausübst. Du wärst der richtige, dachte ich alles, ohne es auszusprechen. Und weiter dachte ich noch: Der wär es.

 

Außerdem ist er nicht ganz unvermögend und kann seinen täglichen Lebensunterhalt mit seinen Händen Arbeit verdienen. Und noch dazu besitzt er eine hübsche Eigentumswohnung und ist selbständiger Unternehmer.

Scheiße, je mehr ich über ihn nachdachte, desto klarer wurde mir, daß ich ernsthaft in Gefahr war, mich in ihn zu verlieben. Was muss er auch so bildschön, so novizisch, so ephepisch wirken, so eine unschuldige jugendlich Art haben, so einen absolut klasse Hintern. Dieser Hintern ist ein so wunderbar geformter, knackiger, halbmondförmiger, ausgeprägter, süßer Zuckerhintern, so etwas habe ich wirklich, ohne Übertreibung sehr lange nicht mehr, vielleicht sogar noch nie, gesehen.

Und die Vorderseite erst. Ich glaube, kein Gucci, Prada, Boss oder Armani kann jemals eine Jeans entwerfen, die das, was er in der Hose hat, jemals verstecken könnten.

Phantasie halt dich im Zaum, schrie Engelchen mir zu…. Egal, sagte Teufelchen, mach weiter. Lebe Deine Träume.

 

Wir redeten noch eine Weile über das wunderbare Fest, über das Essen, über die schöne Zeit, „die er nie vergessen wird“, wie er mir sagte. Ich dachte derweilen nur: und ich werde dich nie vergessen. Dann war meine Zigarette aufgeraucht, und ein Schaffner kam des Weges und fragte, ob wir nicht wieder in unsere Abteile gehen wollen. Nette Frage, ja wir haben den Wink verstanden und uns wieder in unser Abteil zurück geschlichen. Leise, damit Theo nicht aufwacht, sind wir auf unsere Betten gekrabbelt, jeder in seines.

Wir haben uns noch öfters Blicke zugeschmissen, die Bände sprechen würden. Nichts geschah. Schließlich sind wir dann doch Opfer des Sandmännchens geworden und sanft in einen unruhigen Schlaf gefallen. Lange hielt der unruhige Schlaf nicht an. Vielleicht ein paar Stunden. Naja, das reicht eigentlich auch.

 

Früh morgens um 06:00 Uhr kamen wir in München am Hauptbahnhof an. Übernächtigt und nicht gerade wie aus dem Ei gepellt machten wir uns dann auf den Weg zur S-Bahn, um endlich Richtung Heimat zu fahren. Während der restlichen Zugfahrt haben wir nicht mehr viel gesprochen.

Ich glaube, jedem gingen eine ganze Menge Gedanken durch den Kopf. Der einzige, der sich um Konversation bemühte, war Theo. Am Heimatbahnhof angekommen, trennten sich dann unsere Wege. Robert wurde von seiner Frau abgeholt. Er verabschiedete sich mit einer sanften Umarmung und flüsterte mir ins Ohr: “Ich hoffe, bis bald” , und ging zu seiner Frau, stieg in den Wagen und düste davon. Theo und ich nahmen uns ein Taxi nach Hause. Der Weg war ja der gleiche, nur daß ich 2 km vor ihm ausstieg, weil er noch ein Stückchen länger bis zu seinem Haus hatte.

 

2. Teil

 

ROBERT

 

Wochen später, wir hatten in der Zwischenzeit keinen Kontakt, klingelte es eines Samstags an meiner Türe.

 

Ich war gerade aus der Dusche gekommen, in meinen flauschigen Bademantel geschlüpft und dabei, meine Waschmaschine auszuräumen und die Wäsche aufzuhängen. Ich erwartete niemanden und wunderte mich, wer Samstag Vormittag wohl kommen könnte? Der Postbote vielleicht?

 

Nein, Robert stand vor der Türe! Und wieder in diesen hellen Hosen, in denen man seine wohl geformte Figur so gut erkennen kann. “Na das nenn ich mal eine gelungene Überraschung, komm doch rein”, sagte ich. Wir unterhielten uns einige Zeit lang, während ich meine Wäsche aufhing, um uns dann auf die Couch zu setzen.

 

Ich ließ ihn kurz allein und zog mir ein T-Shirt und eine Hose an. Dann setzte ich mich neben ihm auf die Couch und konnte meine Hände nicht bei mir behalten. Ich musste ihm dann ständig an seinen Oberschenkel fassen, um meine Sucht nach Körperkontakt abzureagieren.

 

Nachdem meine Hände schon ganz feucht waren, fing ich auch noch unter den Achseln zu schwitzen an was er bemerkte und aussprach: “Ist Dir so warm, oder mach ich Dich so nervös?” Das nahm ich wiederum zum Anlass, ihm zu sagen, das er mich ganz heiß macht und ich jetzt aufstehen muss, weil ich sonst über ihn herfallen würde, was er mit einem Grinsen kommentierte.

 

Robert, Robert, dachte ich. Ich weiß ja eigentlich vom Kopf her, daß ich da keine Chancen haben sollte, da er mit einer Frau verheiratet war. Aufgrund gesellschaftlich und persönlicher moralischer Grundprinzipien wäre das Richtige, ihn als “Nur” - Freund zu behandeln.

 

Aber wie Gedanken nun mal so sind, denken die weiter als bis nur zu einem Punkt und können manchmal grausam und egoistisch sein. Also, wenn ich die Sache weiter denke, das heißt bis zum Ende denke, also daran, daß er sich vielleicht scheiden lässt, das Sorgerecht teilt, fleißig seine Alimente bezahlt, die Baugenehmigung beantragt für sein Grundstück...

 

Dann zusammen einen Kredit aufnehmen, ein Haus bauen und glücklich sein am Waldrand in einem Häuschen im Grünen? Für immer? Nein, aber wenigstens für ewig! *Grins* Mein Gott was für eine theatralische Ader hatte ich da wieder am laufen. Das Gewissen kehrte zurück und ich spannte wieder die Zügel an, was heißt, ich ließ meine Hände bei mir und dachte nichts mehr.Ich hörte nur seiner süßen Stimme zu, bis er seinen Kurzbesuch abbrach, da er nach Hause musste, weil er noch zu arbeiten hatte. Zwei Tage später flog ich dann nach Mallorca. Allein. Für 14 lange Tage.

 

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich da geritten hatte, 2 Wochen Palma de Mallorca zu buchen. Vielleicht um mich zu sammeln, um mir über uns klar zu werden, Abstand tut mir ganz gut, dachte ich. Denk mal mit Abstand drüber nach, sagte ich mir. Das tat ich dann auch, mit dem Resultat: Ohne Ergebnis. Es musste kommen, wie es kommen musste. Wieder zu Hause nahmen die Dinge dann ihren Lauf.

Samstag abend bin ich wieder zu Hause eingetrudelt. Am Montag abend war Robert wieder da. Ich hatte ihn angerufen und ihn um tatkräftige Unterstützung gebeten, damit er mir beim Tragen einer großen Zimmerpflanze, meines Riesen-Bambusses, hilft. Mein Bambus verbringt den Winter im Wohnzimmer und will im Sommer raus, also vom Wohnzimmer auf die Loggia.

 

Alleine ist mir dieser Riesenbaum zu schwer, und o.k., ich geb’s offen zu: Da ich ja nicht uneigennützig angerufen hatte, freute ich mich, als er ja sagte. Er kam, früher als erwartet und länger als geplant. Wir aßen zusammen zu Abend und redeten und redeten. Zwischendurch hievten wir noch den Bambus über die Schwelle der Balkontüre, damit der Zweck meines Anrufes seine Erfüllung fand. Als er das erste mal sagte: “Du, ich muss jetzt nach Hause” redeten wir im Treppenhaus noch weiter. Nachdem wir dann im Treppenhaus standen und weiter redeten, kam er wieder rein und wir quatschten im Wohnungsflur weiter.

 

Und plötzlich sagte er dann irgendwann einmal: “…weißt Du, ich habe da Gefühle für dich entwickelt, die mehr sind als Freundschaft, du bist wie ein Lebensgefährte für mich und das find ich gut. Es verwirrt mich zwar ein bisschen, aber ist schön, und wer weiß. Sex ist dann wie Zuwendung.”

 

Höre ich richtig? Ich hörte richtig! Das klingt doch wie: Ich glaub ich hab mich in dich verliebt. Oder was? Oder will ich, daß es so klingt? Als er einen Tag später dann bei mir anrief und etwas für die Woche mit mir unternehmen wollte, war es für meinen Teil klar. Ich glaub, ich hab mich in dich verliebt. Ich freue mich jedes Mal wie ein Teenie vor seinem ersten mal, wenn ich ihn sehen darf. Ich dachte x mal am Tag an ihn. Ich stellte mir alles mögliche vor, was wir zusammen anstellen könnten, wo wir überall zusammen hinfahren und was wir alles zusammen treiben könnten. Die sexuellen Phantasien reichten von: Ich verschütte Rotwein über seiner Hose, er muss sich ausziehen, ich küsse seinen Körper von oben bis unten, bis hin zu - er nimmt mich.

 

Ich entwickelte diese gewisse Geilheit, die sich mit Liebe paart, nicht allein aus sexuellen Gelüsten, sondern da steckte mehr dahinter. Es steckte sehr viel Gefühl dahinter. Ich wollte ihn so gern mal massieren, ihn streicheln, ihn Lieben, Küssen, ihm Lust und Befriedigung verschaffen. Oh Gott, ich glaube, das ist Liebe, sagte eine Engelsstimme in mir. ‚Nein, das ist Begierde’ meint Teufelchen dazu…. Doch ich wollte diesen Gedanken nicht weiter spinnen, denn es tut manchmal weh, so zu leiden, zu lieben und dann doch wieder nicht.

 

Wochen später, es war Pfingstsonntag im Mai 2002 war folgende Situation: Es war immer noch so. Es hatte sich nichts, rein gar nichts an der emotionalen Situation geändert. Im Gegenteil. Manches mal empfand ich die Gefühle stärker denn je. Und ich dachte abends vor dem Einschlafen an ihn. Und dann morgens beim Aufwachen schon wieder. Oft.

 

Vor zwei Tagen, am Freitag abend war ich beim Grillen bei ihm. Sein Bruder war auch da. Seine Frau kam erst später. Somit verbrachten wir einige Stunden in vertrauter Gemeinsamkeit, von Wolfgang, seinem Bruder mal abgesehen.

 

Abermals ergab sich die Gelegenheit, miteinander rum zu balgen. Scherzhaft zu raufen, was ich natürlich genoss, um Berührungen seinerseits zu empfangen, ihm nahe zu sein. Seine Haut zu berühren, zu spüren, seinen Duft zu riechen, sein Lachen zu hören.

 

Es war schön und grausam zugleich. Die Gefühle für ihn brachten mich wieder soweit, daran zu denken, was ich von ihm wollte, was ich mit ihm tun möchte. Mit dem Ergebnis: Ich will meine Zeit mit ihm verbringen.

 

 

DIE GROSSE LIEBE

 

Montag, 10. Juni 2002 Es war soweit.

 

Am Montagabend, den 10.06.2002 um 21.30 Uhr ist es passiert. Ich habe alles gestanden!

 

Meine Liebe zu ihm, Robert. Er hatte am morgen um 08.05 Uhr angerufen. Da er nebenbei ein bisschen an der Börse spekulierte, um damit Geld zu verdienen, hat er mit mir über die Aktienentwicklung gesprochen und welche Aktien er als nächstes nachkaufen müsste, weil er dann wieder ein paar Euros verdienen könnte.

 

Schließlich will er ja ein Haus bauen, und das kostet so richtig Asche. Alsdann haben wir uns für den Abend verabredet. Um halb Sieben stand er vor der Haustüre. Nachdem wir zu Abend gegessen hatten, und noch einen Blick auf die Börse geworfen hatten, sind wir gegen 20.20 Uhr los marschiert, Richtung seine Heimat.

 

Auf dem Fahrradweg setzten wir uns auf eine Bank und fingen an zu reden. Nachdem Robert sich seine Gefühle und Verwirrungen von der Seele redete und mir dann sagte: “...muss ich jetzt eigentlich sagen, daß sich eine Beziehung erst so richtig entwickeln muss, langsam aufeinander zu und das glaub ich hab ich jetzt mit dir gefunden!“

 

Meine Ohren erreichten Rekordgröße. Nach einer fast schon theatralischen Pause sagte er dann:

 

„Du bist so ein Mensch, mit dem ich alles das hätte, was mir fehlt und bei dir bekomme ich die Geborgenheit, die mir fehlt und die ich suche.” Und dann kam das, was ich immer schon geahnt, auf unerklärbare Art gespürt oder tief im innersten meines Herzens gehofft hatte:

 

“…und wenn ich Dir auch bis jetzt noch keine körperliche Zuwendung gezeigt habe, so heißt das nur, das ich jetzt total durcheinander bin und in dem ganzen Durcheinander mal Klarheit reinbringen will. Lass mir Zeit, denn wenn ich jetzt mit dir schlafen würde und dich küssen und so…“ (vor allem und so ☺)

 

„… dann heißt das, das ich mich für die Liebe entscheiden würde und das ist im Moment nicht der richtige Zeitpunkt, warte nur noch ein bisschen. Weil, ich müsste dann auch klare Verhältnisse schaffen. Wenn ich mich jetzt outen würde, wenn ich jetzt sagen würde:

Ich hab mich für einen Mann entschieden, dann wäre in der Firma Chaos, weil mein Vater das nicht gleich verstehen würde, das ist einer vom alten Schlag, der hat noch den Krieg mitgemacht. Tja, und mein Bruder, na gut, der würde so reagieren wie deine Schwester. Meine Frau Lisa weiß ich nicht, und dann ist da ja auch noch mein Sohn Patrick da, aber ich will so wie jetzt nicht weiter leben ich hab doch nur jetzt dieses Leben und ich will mich verwirklichen, mit Dir und bei Dir weil Du und ich schon ziemlich gleich sind. Du unterstützt mich bei meinen Ansichten und das mag ich so.

 

Außerdem finde ich dich sehr attraktiv, Du hast einen guten Körper, das mag ich gern und ich fühle da mehr als nur so ……… einfach Liebe…..das ist mehr, das ist größer, weißt Du, und deshalb fand ich Deine Idee mit dem Rohbau auch gut, dass man innen selbst machen und werkeln kann und so”.

 

Ich hörte ihm weiter aufmerksam zu, denn dann sagte er noch:

 

“...wenn man jetzt zusammen schlafen würde, finde ich, muss man auch zusammen leben, denn wenn man anfängt Sex zu haben, will man nicht gleich wieder damit aufhören.”

 

Dabei grinste er. Wow! Das war ja eine Beichte, die mich fast umhaut. Ich hörte immer noch die Worte in meinem Kopf und dachte mir dabei: Lass Dir nur Zeit, ich kann warten. Daraufhin, nach diesem Geständnis von ihm, musste ich ihm sagen, was ich denke, was ich fühle. Ich sagte zu ihm:

 

“Hey Robert, das ehrt mich jetzt echt. Ich empfinde das genau so wie Du. Mir geht es nicht gut, wenn ich Dich länger als 3 Tage nicht höre und sehe. Ich mag Dich, als Mensch, als Partner, als Robert. Deine Art, Dein Lächeln, Deinen Körper, und das ist nicht nur ein verliebt sein, sondern mehr als das, es ist ein Empfinden und Zuneigung, Vertrauen, Geborgenheit und Sehnsucht“.

 

Das war wohl das emotionalste, was ich seit langem erlebt habe. Diese Offenheit, diese Liebe, dieses Glück. Es schien, als ob meine Glückswoche, nein, mein Glücksmonat, wenn nicht gar mein Glücksjahr eingeläutet wurde.

 

Am Freitag darauf hatte ich meinen 36. Geburtstag gefeiert. Bis Samstag, 02.00 Uhr morgens. Schön war's. Alle waren da. Alle meine Freunde. Theo, Alex, Stephan, Karin, Hanne, AJ, Wolfgang und Robert, Lisa und Patrick. Ich fand diesen Abend sehr geheimnisvoll, weil ich total glücklich war. Weil Robert da war. Und keiner wusste, was wirklich los war, warum ich so super drauf war.

 

Einen Tag später, es war Samstag, begann wohl das, was Astrologen als ‚das wohl Venushafteste Wochenende bezeichnen würden, welches ich seit vielen Jahren hatte. Ich hatte Robert in der Arbeit besucht um ihm eine Palme fürs Büro zu bringen. Er freute sich riesig.

 

Nachdem er noch ein paar Kleinigkeiten erledigte, hatten wir spontan beschlossen, ein bisschen an die Isar zu spazieren. Nach einem einstündigen Landschaftsmarsch quer durch die Isarauen kamen wir am Wasser an.

 

Aber nicht irgendwo am Wasser, nein nein, beileibe nicht. Es war ein wunderschöner Sandstrand. So schön und so selten. Diese Ecke der Isar kannte ich noch nicht, und ich kenne viele Ecken dieses Flusses.

 

Herz, was willst Du mehr, dachte ich mir: Eine kleine Sandbucht im Sonnenschein. Einen wolkenlosen Himmel, einen leichten Wind bei ca. 34 Grad, sauberes Wasser und einen lieben Kerl. Es war super.

Also haben wir uns nackt ausgezogen und sind ins Wasser und haben dort herum gealbert.

 

Wir führten uns auf wie kleine Kinder, bewarfen uns mit Algen und Sand, wuschen uns dann wieder ab, schwammen ein Stück raus, kraulten zurück, alberten wieder rum und gingen dann endlich wieder mal an Land. Da ließen wir uns von der Sonne trocknen.

 

Um halb sieben abends haben wir uns auf den Heimweg gemacht. In seinem Büro hatte Robert dann Theo angerufen um ihm ein Kino Date abzusagen, weil er noch ein bisschen was zu tun hatte. Das Los der Selbstständigen eben. Wir hatten noch kurz gequatscht und uns für telefonisch 22.00 Uhr verabredet. Ich ließ ihn also noch seine Arbeit tun und fuhr nach Hause.

 

Punkt 22.00 Uhr klingelte das Telefon. “Hallo, ich bin’s. Ich hab jetzt alles erledigt und werde jetzt mit dem Rad nach Hause fahren, sind ja nur 10 Kilometer und es ist ja noch schön warm draußen.“

 

Ich sagt zu Ihm am Telefon: “Ich kann dich ja heim fahren”. “Wenn Du willst?”, sagte er. Also bin dann um 22:30 Uhr zu seiner Firma gefahren, um ihn abzuholen. Wohlgemerkt um 22:30 Uhr, was ja auch heute noch nicht meine Zeit ist, um aus dem Haus zu gehen…. Aber außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, sagt man doch so schön.

 

Nun gut, gesagt, getan. Ich bin also zu seiner Firma gefahren, um ihn abzuholen. Wir sind dann zu ihm nach Hause gefahren, haben auf der Couch Rotwein getrunken, in der Küche Joghurt gegessen und sind dann ins Wohnzimmer, um uns auf dem Teppich niederzulassen.

 

Er hatte einen Teller mit brennenden Teelichtern aufgestellt und wir lagen davor, um den Kerzen beim Brennen zuzusehen.

 

Er sagte: “ Jetzt wär eine Rückenmassage was schönes”. Worauf ich erwiderte: “ Die kannst Du liebend gerne haben”. Ich begann, sein T-Shirt hochzuschieben und seinen Rücken zu streicheln, als er sagte: “Warte mal kurz, ich will mir noch den Arbeiterschweiß abspülen, ich geh duschen”. Geh und dusche, dachte ich.

 

5 Minuten später war er wieder bei mir, nur mit einem Slip bekleidet und legte sich neben mich bäuchlings auf den Teppichboden. Ich machte da weiter, wo ich aufgehört hatte. Ich streichelte seinen Rücken, Arme, Hintern, Beine. “Ich schnurr jetzt gleich” sagte er leise. Dann drehte er sich um und ich machte an den entgegengesetzten Stellen weiter, Brust, Beine, seine Lenden, Oberschenkel und wieder seinen Bauch.

 

Schließlich, es war gegen 1 Uhr morgens als er näher an mich ran krabbelte und sagte: “ Ich weiß, wo es bequemer ist, im Bett “. Also sind wir sehr müde weiter gewandert, vom Teppichboden ins Bett, wo er sich dann ganz auszog und ich meine Streicheleinheiten fortsetzte…..

 

Bevor ich jetzt seitenlange Berichte über seine anatomische Gesamtstruktur verfasse, folgendes: Ich habe ihn zärtlich gestreichelt, seinen Körper geküsst, über seinen süßen Knackpo gestreichelt, und seine Erektion bemerkt.

 

Er schlief ein und ich machte weiter, tastete mich bis zu seinem super süßen geilen Hintern vor und ließ meine Hände verweilen auf diesen kleinen Melonenhälften. Mir taten schon meine Eier weh, weil ich ebenfalls seit Stunden eine Erektion hatte.

 

Aber keiner hat sich getraut, die Grenze zu überschreiten, weiterzugehen. Unsere Körper klebten die ganze Nacht, o.k. es waren nur 4 Stunden Nacht, aneinander.

 

Morgens um 5 wachte ich auf und merkte, daß er sich an mich kuschelte und drückte. Seine “immer noch” oder “schon wieder” Erektion spürte ich an meinem Körper und ich griff danach um ihn zu massieren, und das nicht zu wenig…. Er hatte einen sehr schönen Schwanz, den man so schön lecken kann, lang, nicht zu dick und nicht beschnitten. Seine Eier auch mal in den Mund zu nehmen, ach wär das geil. Und dann sein Arsch. Ich liebe diesen geilen Arsch.

 

Ich will ihn lieben, küssen, reinbeißen und irgendwann mal meinen Schwanz darin versenken um ihn langsam zu ficken. Darauf freu ich mich schon. Auch darauf, von ihm mal etwas mehr liebkost zu werden und vielleicht auch mal von ihm gefickt zu werden, von hinten, mich in den Nacken beißend, oder von vorne, während er mir die Zunge zwischen meine Lippen schiebt.

 

Genug der sexuellen Begierden. Langsam wach und wieder auf dem Boden der Realität zurückkehrend knobelten wir aus, wer zuerst duschen darf, dann fuhr ich ihn in seine Firma und ich fuhr in meine.

 

Wie langsam und traumhaft der Tag verging, brauche ich, glaub ich nicht zu vertiefen. Morgen früh telefonieren wir wieder, Börsentechnisch versteht sich. Vielleicht hat er morgen Abend Zeit, um mit mir an den See zu fahren. Wir könnten dort Brotzeit mach, baden und noch eine bisschen schmusen.

 

Denn am Dienstag kommt seine Frau wieder, die für 5 Tage nach Norddeutschland gefahren war.

Wie soll es dann weiterlaufen? Wird seine Frau vielleicht noch mal schwanger? Bekommt Sie ein zweites Kind? Wird er mit ihr in Urlaub fliegen, nachdem sie einmal beiläufig etwas verlauten ließ? Oder wird er sie vorher verlassen? Und dann? Wird sie nach Norddeutschland zurückgehen? Wird sie hier bleiben, was soll sie machen, mit Kind hier, allein? Das geht ja gar nicht . Wer passt auf den Kleinen auf? Wenn er sich überhaupt trennen kann.

 

Was muss er denn eigentlich zahlen, wenn sie sich scheiden lassen. Muss er 200 oder 250 Euro pro Monat für den Kleinen zahlen. Er verdient eh nur 1000 bis 1300 Euro. Minus 250 bleiben 750 - 1050. Dann will er noch ein Haus davon bauen. Da müssten wir bei 150.000 Euro Baukosten 750 Euro im Monat abzahlen. Er 375, ich 375. Dann kommt noch dazu: der Innenausbau, ca. 50.000 Euro. Und Essen, Strom, etc. sind naja…. Zu zweit oder vielleicht zu 2 ½ (mit Kind) ca. 1000 Euro im Monat . Zusammen haben wir 2.500. Minus 1750, bleiben 750.

 

Die sparen wir für Urlaub. Unglaublich, wie weit ich schon dachte.

Bin ich irre oder ist das Liebe? Oder ist das am Ende der gleiche Zustand? Dabei wusste ich ja gar nicht mal, ob er mich auch liebt, ob er das alles will, was wir letzte Nacht praktiziert hatten. Ob er seine Gefühle so weit öffnen könnte? Das wir ein Paar werden? Schön wär's ja, aber klappt's?

 

Mit einem Altersunterschied von 9 Jahren? Naja, bei Sepp und Peter funktioniert es ja auch. Die sind 25 Jahre auseinander. Und seit 18 Jahren zusammen. Aber, was ist, wenn ich wieder Depressionen bekomme?

 

Diesen Scheißzustand hatte ich schon mal vor ein paar Jahren. Das braucht kein Mensch, glauben Sie mir das! Und dann, was ist mit seinen Interessen. Ich habe keine Ahnung. Ich muss es einfach abwarten, wie lange das jetzt dauert. Er sagte gestern: “Vielleicht geht das alles schneller, als man denkt…” was immer er damit meinte.

 

Dienstag 18.6. 02 Zeit für die täglichen Neuigkeiten.

Der 18.6.2002 war ein Tag, der in die Geschichte eingeht. In Deutschland, genauer gesagt in Koblenz wurden 39,4 Grad Celsius gemessen. Neuer Hitzerekord.

 

In unserer Gegend waren es 34,8 Grad. Gestern war es mit 33 Grad auch schon warm. Gestern abend hab ich Robert zum Baden an den Starnberger See abgeholt. Anfangs war er wegen der Börse sehr nervös, weil sie wieder mal nach unten ging. Sowas, meinte er, macht ihn immer depressiv, was sich jedoch im Laufe des Abends gebessert hat.

 

Wir fuhren an das Privatgrundstück meines Schwagers. Lauschig, kuschelig und einsam. Wir haben Brotzeit auf einem Steg gemacht und dann die Stockenten mit den Brotresten gefüttert. Nachdem es auf dem Steg kühler wurde, haben wir uns an die Wand der Bootshütte zurückgezogen.

 

Dort hab ich ihn dann in den Arm genommen, gekrault und ihn irgendwann mal zärtlich in den Nacken gebissen. Das Abendrot zauberte wunderbare orangerot - rosa - purpurfarbene Wolkengebilde an den Himmel. Irgendwann hat er dann damit begonnen, mir den Nacken und den Arm zu streicheln, was ich mit wohligem Grunzen und einem Ständer quittiert habe.

 

Als es später wurde, sind wir dann noch zu ihm nach Hause gefahren und haben noch ne halbe Stunde Börsenberichte im TV gekuckt, wobei er bäuchlings auf dem Bett lag und mir seine Rückseite darbot. Ich konnte nicht anders, ich musste ihn wieder und wieder berühren. Ich streichelte seinen Rücken, schob sein Hemd hinauf um besser an seine Haut zu kommen, ich streichelte über seiner Hose die Konturen seines phantastischen Hinterns nach.

 

Er trug nur eine kurze Hose. Also konnte ich seine Kniekehlen streicheln, seine Ansätze der Oberschenkel. Die Innenseiten der Schenkel, seine Waden, seine Füße, die Sohlen und wieder seine Kniekehlen, die Innenseiten der Schenkel und dann über der Hose seine zwei knackigen Halbkugeln. So ging das fast 'ne halbe Ewigkeit.

 

Nachdem die Börsenanalysten nichts neues mehr zu sagen hatten, drehte er sich auf die Seite. Nun hatte ich also die Möglichkeit mit der linken Hand weiter an seinem zuckersüßen Hintern herumzutätscheln und mit der rechten Hand die Beule in der Hose zu massieren.

 

Langsam frage ich mich, ob ich noch ganz normal bin. Ja, ich frag deshalb, weil ich einige Tage davor schon ständig meine Finger an seinem Körper dran hatte. Also 4 Stunden ohne Unterlass mit Sicherheit. Und ständig muss ich ihn abküssen.

 

Manchmal hab ich Angst, das es ihm zu viel werden könnte, wenn ich ständig an ihm dran hänge. Vielleicht frag ich ihn das nächste mal, vielleicht frag ich auch, was er dabei empfindet. Ob es nur schön ist, oder ob es vielleicht auch ein bisschen geil für ihn ist.

 

Es wäre ja schön gewesen, wenn er am Sonntag morgen einen Orgasmus mit mir gehabt hätte, aber ich vermute, den hat er sich dann im Bad geholt. Wir sollten auch darüber sprechen, was er mag, was er nicht mag, was ich mag, was ich nicht mag und nicht während des Wichsens über Baugenehmigungen, Aktien oder Termine sprechen. Da ist dann jemand nicht bei der Sache, finde ich.

 

Vielleicht hat er sich auch nicht getraut, vor mir einen Orgasmus zu haben, weil es ja ziemlich neu für ihn ist oder weil es wieder das erste mal seit 15 Jahren war, dass er mit einem Mann im Bett ist. Schließlich kennen wir uns ja nicht so gut, als ob wir schon 5 Jahre verheiratet wären. Wenn ich jetzt frag, ob ich das richtige getan habe, würde ich sagen:

 

Ja, du bist deinen Gefühlen gefolgt und Nein, du hättest vielleicht auf deinen Verstand hören sollen. Aber ich glaube fest, daß, wenn man immer nur nach seinem Verstand lebt, das Beste im Leben versäumt.

 

Aber: Worauf lass ich mich da ein? Hat das überhaupt Zukunft? Kann er sich denn von seiner Frau trennen? Trennt er sich, weil er aus seinem Ehegefängnis raus will oder trennt er sich, weil er Liebe für mich empfindet. Kann er sich das finanziell leisten?

 

Als er letzten Montag sagte, er möchte jetzt noch keine körperliche Beziehung mit mir eingehen, weil er sich ja dann für die Liebe entscheiden würde, hab ich gefühlt, was Liebe heißt. Liebe, was ist das? Ist Liebe der ständige Gedanke an jemanden?

 

Ist es jemanden ständig berühren zu wollen? In seiner Nähe sein zu wollen = Mit ihm gemeinsam etwas zu tun, Unternehmungen zu machen?

 

Gerade hat er mich vom Handy seines Bruders aus angerufen um mir zu sagen, daß es gestern sehr schön war. Ist er nicht lieb?

Die beiden sind gerade am Ostersee unterwegs beim Baden und um von der Arbeit zu relaxen. Er sagte mir noch: „Heut abend wird’s nichts mit sehen, meine Frau bringt noch 'ne Freundin mit und kommt erst gegen Mitternacht, da sie erst am Abend los gefahren sind, wegen der großen Hitze heute“.

 

Schade aber auch. Und, sobald er Zeit und Luft hat, meldet er sich bei mir, damit wir was zusammen unternehmen können und ob wir Patrick auch mitnehmen können. Er liebt seinen Sohn sehr. Er kann sich doch gar nicht trennen von Lisa, denn die würde dann vermutlich wieder zurück nach Norddeutschland gehen und den Kleinen mitnehmen.

Und wenn Robert den Kleinen nicht mehr sehen könnte, wäre das nicht gerade gut für mich.

 

Außerdem müsste er dann Alimente zahlen und dann wäre es Essig mit Haus bauen. Zudem hatte er mal erwähnt: „Mich gibt’s nur im Doppelpack“….

 

Wie 'ne kleine Familie eben. Irgendwie scheint mir alles schrecklich kompliziert zu sein und verfahren. So viele Probleme wollte ich eigentlich nicht haben. Irgendwie weiß ich heute nicht, wie das alles weitergehen soll. Alles verkaufen und flüchten ist keine Lösung. Man kann vor seinen Gefühlen nicht davon laufen. Aussteigen ist kein so guter Gedanke. Und ohne ihn kann ich nicht mehr leben. Also. Was bleibt? Sterben wäre eine Lösung, wenn auch keine Gute.

 

Aber wie lange kann ein Mensch das aushalten? Kann ein Mensch das Überleben? Können das die Gefühle aushalten? Wenn ja, wie lange? Ein Mensch wie ich, mit sooo viel Gefühl und Zärtlichkeitsbedürfnis überlebt das nicht. Mir fällt immer wieder ein, wie ein Freund, den ich in Mallorca mal traf, zu mir sagte: “Franz, Du bist so ein gefühlvoller, zärtlicher Mensch. Voller Emotionen, voller Gefühle. Was machst Du eigentlich im Alltag mit all deinen großen Gefühlen?”

 

Das konnte ich ihm nicht beantworten, da mich diese Feststellung wie ein Erdbeben erschütterte, weil es so viel Wahrheit inne hatte. Aber, zurück zum Thema. Wie gesagt, man(n) überlebt das nicht. Auch nicht mit – sagen wir mal 2 Millionen Euro. Oder doch?

 

Abgesehen davon, daß ich keine 2 Millionen habe. *grins*. Geld würde vielleicht die Sache einfacher machen, aber das würde dann doch bedeuten, das ich ihn kaufe . Haus - Auto - Firma - Alimente - Abhängigkeit - Dankbarkeit - angewiesen sein?

 

Ich weiß es nicht. Ich weiß heute nichts mehr. Ich weiß nur eines. Er fehlt mir heute so sehr. Ich will ihn im Arm halten und spüren heute ist Tag 1, an dem ich ihn nicht gesehen habe, morgen ist Tag 2. Wie lange schaff ich das? Lieber Gott, hilf mir ein bisschen.

 

Sonntag, 23.6.2002

Kurzer Bericht zur Lage. Freitag abend waren wir noch kurz zusammen. Ich fuhr erst zu meiner Schwester, dann zu ihm nach Hause. Dort war full house. Christina war da, eine Freundin von Lisa. Christina kam erst vor kurzem aus Bali zurück und erzählte ohne Unterbrechung. Um halb 11 Uhr abends bin ich dann gegangen. Ich war sehr müde. Draußen haben wir uns noch im Arm gehalten.

 

Er hat gesagt: nächste Woche geht es etwas besser, daß wir uns sehen, weil Christina wieder nach Hause fährt und er dann mal wieder Zeit am Abend hat. Ich liebe ihn noch immer. Immer stärker. Er fehlt mir.

 

Ich war heute, bei 33 Grad, nachmittags mit Theo auf dem Tollwood in München. Ich wäre viel lieber mit Robert dort gewesen, oder noch lieber da, wo wir vor 8 Tagen waren. An der Isar an dieser Sandbank. Dort, am Ufer der Isar liegend, nackt, ihm den Body eincremend und hie und da ins Wasser gehend, um die Gemüter abzukühlen. Rumzualbern, mit Algen und Schlamm werfen und dann nach Hause, gemeinsam zu Abend essen bei Candlelight auf meinem Balkon mit lecker Rotwein und dann ‚ab in die Kiste’. Er fehlt mir so sehr.

 

Ich denke so oft daran, was wir alles zusammen tun könnten.

Essen, schlafen, schmusen, lieben, einkaufen, zum Essen gehen, zum Baden gehen, Wohnung streichen, abspülen, kochen, Fernsehen, Pizza essen. Lieb haben, kraulen, meine Schwester besuchen, ins Kino gehen, Wandern, Auto sauber machen, Lesen, Einkaufen, Bummeln, Aufregen, in den botanischen Garten gehen, in den Westpark gehen, Grillen, umbauen, in den Armen liegen, in den Urlaub fahren, Anziehen, Ausziehen, Reden, Streicheln, seine Freunde besuchen, meine Freunde besuchen, ins Theater gehen, mal auf einen Stammtisch gehen, Fahrrad fahren, ins Fitness-Studio gehen, einfach mit ihm LEBEN.

 

Ich will mit ihm leben.

 

Ich liebe ihn, weil er so ist wie er ist, so humorvoll, so lieb, so nett, so schüchtern, so jungenhaft, so liebenswert, so hübsch, so zum knuddeln, so romantisch, so sensibel, so zärtlich, so geil, so süß. Ich liebe ihn er fehlt mir so sehr.

 

 

VERÄNDERUNGEN

 

Es ist wieder eine Zeit vergangen und heute ist der 2. Juli, ein Dienstag, Es ist viertel nach Acht am morgen und ich frühstücke im Cafe Abendblatt.

 

Ich musste heute die Wohnung verlassen, weil ich es nicht geschafft hätte, bzw. Lust dazu hatte, mit ihm zu telefonieren. Gestern morgen der Börsentalk und dann, so fast nebenbei, der verhängnisvolle Nebensatz mit dem Hinweis, daß er doch mit Lisa in den Urlaub fahren wird, und zwar nach Bali!

 

BUMM! Dann war gestern einer der scheiß Montage und ich hatte immer im Hinterkopf: Wieso fliegt er mit ihr in Urlaub? Gestern abend war ich dann so am Ende, daß ich erst spät geschlafen habe. Ich habe zu nichts mehr Lust. Der Grund: Vieles passierte am letzten Wochenende. Es begann schon am Freitag. Das war ja schon sehr phantastisch, als wir im Kino saßen und er begann, mich sanft und zärtlich am Arm zu streicheln.

 

Wohlgemerkt ER - mich - im Kino - sprich in der Öffentlichkeit. Als ich ihn dann nach Hause fuhr, hat er mir beim Autofahren den Nacken gekrault.

 

Am Samstag in der Sauna im Bad Wiesseer Badepark hat er mir unter Wasser mit dem Fuß die Eier gekrault. Ich sagte noch: “Ach nee, der Junge wird zutraulich wie ein junges Entlein, wie schön”.

 

Er lachte darauf hin und knuffte mir zärtlich in die Seite. Und dann kreisten meine Gedanken ständig um das Gespräch, das ich mit Robert in der Sauna hatte. Er fragte mich plötzlich: “Kannst du dir vorstellen, mit mir eine Beziehung zu führen, mit mir zu leben?“

 

„Klar“, sagte ich. Dann kam etwas, was mich an ein Bewerbungsgespräch erinnert. Er fragte mich: “Welche negativen Seiten hast du an Dir?”.

 

Herrgott - kenne ich die eigentlich selber. Muss er die nicht heraus finden? Und dann kam noch: “Du musst Dir ganz sicher sein, ob Du das alles auch möchtest, denn wenn ich mich von Lisa trenne, meinen Eltern reinen Wein einschenke und ich mit Dir zusammen lebe, dann soll es nicht nach einem halben Jahr schief gehen weil sonst hab ich ja die absolute Arschkarte gezogen!”

 

Bin ich Hellseher? Soweit ich mich erinnere, gibt es für nichts im Leben eine Garantie. Oder halt: Doch eine, und die ist aus Holz und 2 Meter lang und kommt 2 Meter unter die Erde. Es ist so total verrückt. Ich will es so sehr und hab dann auch Angst davor. Vor was eigentlich?

 

Angst vor Nähe kann es nicht sein. Eher habe ich Angst davor, daß wir in einem Jahr nicht mehr so glücklich sind wie jetzt. Aber dann, wieso fliegt er mit seiner Frau und Kind nach Bali? Vielleicht sehe ich das jetzt alles zu eng. Vielleicht hab ich ein Problem mit Zeitrechnung. daß das alles mit Trennung nicht morgen oder übermorgen passieren kann, musste mir doch klar sein.

 

„Merry Chrismas“ sagte er öfter. Wer weiß, was Weihnachten 2002 ist. Oder wie er so schön sagt: “Vielleicht geht das alles schneller, als du denkst“. Ja, nun denn. Lassen wir das sinnieren. Das soll es dann für heute gewesen sein.

 

 

URLAUB

 

Montag, 8.7.02

 

Mein erster Urlaubstag, Nervenprobe. Ich bin am Starnberger See, an der schon erwähnten Bootshütte meines Schwagers und habe am Nachbarsteg mindestens 14 Kinder, die Krach für 29 machen.

 

Ich war heute schon bei Robert und hab kurz mit ihm geratscht. Und beim Abschied einen Handluftkuss von ihm kassiert. Ich liebe ihn. Am Freitag waren wir noch spazieren und haben uns sehr gut unterhalten.

 

Er sagte zu mir: “So wie es ausschaut, werde ich mich von Lisa trennen, das heißt also dann ist der Weg frei, weil……weil….. wir gehören doch zusammen, oder?”. “Ja” hauche ich leise und denke: Magie tu was du willst. Füge zusammen, was zusammen gehört. Ich liebe ihn und er liebt mich. Großartig, lieb, phantastisch. Das hat Bedeutung und Gewicht.

 

Freitag 12.7.02

Enttäuschung folgt bekanntlich auf dem Fuße, oder nicht? Mein „kleiner Schmusebär“ hat am Mittwoch gesagt, er ruft mich am Donnerstag an, er - mich. Um für Freitag evtl. eine kleine Radtour auszumachen. Ich war zu Hause am Donnerstag abend. Er hat nicht angerufen. Vielleicht gab es Zoff mit seiner Frau.

 

Am Mittwoch habe ich ihn noch besucht. Zuhause. Seine Frau war auch da. Die beiden hatten kleinere Diskussionen wegen ihres gemeinsamen Bali Urlaubes. Robert wollte dann noch spazieren mit mir. Also sind wir noch durchs Dorf gegangen. Robert sagte zu mir: “ Weißt Du, ich glaube, eigentlich wäre es ein Schritt in Richtung WIR, wenn ich den Urlaub absagen würde.”

 

Ich erwiderte darauf hin: “Ja, stimmt, aber ich will Dir nicht dagegen und nicht dazu raten. Das, mein Lieber musst Du ganz alleine entscheiden.” Ich will auf keinen Fall, daß er eine Entscheidung fällt, zu der ich ihm geraten habe.

 

Er muss es entscheiden. Schließlich soll er auch, wenn er die Entscheidung fällt, sich von Lisa zu trennen, sagen können: “Meine Frau und ich haben uns nicht mehr verstanden” und nicht: “ich trenne mich wegen Dir”. Natürlich auch, aber nicht in erster Linie. Ach, ich weiß, ich mach es jetzt kompliziert, will ich aber gar nicht. Ich weiß nicht, ob ich da die Schuld der Einfachheit halber von mir wegschieben will, oder anders gesehen, wenn ich sagen könnte: Er trennt sich wegen mir, kann man dann eigentlich von Schuld sprechen?

 

Habe ich denn Schuld = erst mal muss ich vielleicht die Umstände umdenken, weil ich ein Mann bin. Wenn ich mir jetzt denke: Es wäre so, daß ich eine Frau bin und er sich wegen einer anderen Frau von Lisa trennt, eigentlich ist der Vergleich scheiße. Aber o.k.

Dann würde er sich trennen, weil er sagen würde, müsste, sollte, wird: “Weil ich jemanden kennen gelernt habe, den ich liebe”

 

Oder sagt er zu seiner Frau: “Weil ich nicht mehr damit klarkomme, wie du lebst. Weil es alles an mir liegt, wenn ich putzen und saubermachen und kochen muss, weil ich wasche, rasen mähe und aufräume.” Oder sind das alles nur vorgeschobene Gründe?

 

Ich schweife ab, sorry.

 

Zurück zum Mittwoch Abend, halb 11. Ich also am Aufbruch. Draußen dann standen wir so rum. Ich seufze einmal tief, drehe mich zu ihm und nehme ihn in die Arme.

Wir stehen eng aneinander gepresst im lauen Dunkel der Nacht, fühlen uns und drücken uns, streicheln uns. Wir, bzw. Robert steht nicht, wie üblich, in Donald-Duck-Stellung da (Brust aneinander, Hintern rausgestreckt), sondern wirklich an mir dran. Also, unsere Körper, Ober und Unterkörper berühren sich.

 

Dann und wann ein Kuss von mir auf seinen Hals, Umarmung, ein Streicheln, ein Seufzen. Auf meine Frage: “Bekomme ich einen Gute Nacht Kuss?” beugt er sich vor und gibt mir tatsächlich einen kurzen Kuss auf den Mund. Dann wieder eine enge Umarmung und die ernüchternde Warnung von ihm: “Ich muss wieder rein“.

 

Trotzdem geht er noch die 100 Meter mit bis zu meinem Auto, wo wir weiter reden und uns noch 3 mal verabschieden, wobei er noch sagt: “Ich muss jetzt wieder rein gehen. Ich steh echt zwischen 2 Stühlen, ich hab’s nicht einfach, das weißt Du genau, ich könnte heulen und lachen zugleich. Weißt du, es tut mir einerseits leid, daß die Situation so ist, wie sie ist. Das Du da in eine Beziehung rein kommst, wo sich 2 Menschen Lieben (?), aber keine Gemeinsamkeiten mehr haben (!!)”.

 

Hab ich da gerade was nicht verstanden? Liebt er seine Frau noch? Aber kann man sich Gefühle verbieten, wenn sie beidseitig sind? Muss man da sagen: Das darf man nicht? Das darf nicht sein? Warum nicht?

Nur weil die beiden einen Bund für die Zukunft geschlossen haben? Weil sie sich versprochen haben: den Partner zu Lieben und zu Ehren in Guten wie in Schlechten Zeiten…. Was sind in deren Situation schlechte Zeiten?

 

Zeiten wie diese?

 

Ich kann doch für eine Situation, die in der Zukunft liegt, kein Versprechen abgeben. Das kann doch nicht gehen, das kann niemand. Ich kann, auch ICH nicht, ich kann doch nicht sagen, ich schwöre, ich werde dich immer lieben und zu dir halten, egal was da kommt.

Und wenn wirklich so sein sollte, dann müsste doch jeder damit einverstanden sein, wenn die Liebe einen anderen Weg auf der Reise durchs Leben einschlägt, oder? Und auch ich muss dann damit einverstanden sein, wenn er sich in jemanden anderen verliebt oder? Obwohl das 12 Jahre, dauern könnte, weil ich mit 50 ja angeblich meinen Lebens-Dual-Partner kennen lernen werde.

 

Vielleicht ist Robert es ja, und ich lerne ihn neu kennen. So daß wir sagen können, als ich 50 war und er 41, haben wir uns richtig kennen gelernt. Dann ist sein Patrick 15. Nun denn, das ist Zukunftsmusik, und zwar keine Gute.

 

Vielleicht, nein, nicht vielleicht, sondern eventuell ist es auch besser, wenn ich jetzt keinen Anspruch stelle, ( was ich auch immer wieder verhindern möchte), da es jetzt so planlos und unwirklich weitergeht. Also geplant kann da gar nichts voran gehen, sehe ich heute wieder einmal. Jeglichen Plan kann ich also wohl den Mäusen geben.

 

Heute vor 4 Wochen hatte ich Geburtstag, morgen vor 4 Wochen waren Robert und ich an der Isar und hatten einen super schönen Nachmittag und eine noch super tollere Nacht (Nachdenk)

 

 

DER TRAUM VON PALMA

 

Heute wollte ich eigentlich mit ihm nach Palma de Mallorca fliegen. Heute um 11.10 Uhr würden wir am Flughafen München sitzen und in 10 - 20 Minuten in den Flieger steigen.

 

Um 11.55 Uhr starten. In gut 2 Stunden würden wir in Palma landen, unser kleines Gepäck nehmen und unser Mietauto abholen.

Dann, gegen 14.30 - 15.00 Uhr würden wir bei der Finca Es Palmer eintreffen, unser Zimmer beziehen und dann erst mal in den Pool springen. Später würden wir dann mit dem Mietwagen nach Colonia St. Jordi fahren und einkaufen.

 

Melone und Schinken, dann noch zum Es Trenc Strand raus fahren und im Meer schwimmen. Anschließend würden wir zum Essen gehen, dann in die Finca zurück nach Hause fahren und noch eine Flasche Rotwein auf der Terrasse trinken.

 

Gegen 22.00 Uhr sind wir sicher so müde, um gemeinsam ins Bett zu gehen. Bis der Samstag uns mit seinen Sonnenstrah-len wach küsst. Wir frühstücken zusammen und fahren gegen mittag nach Palma, um eine liebe Freundin zu besuchen. Gitte, manche nennen Sie auch eine „weiße Hexe“, wobei ich finde, daß sie rein gar nichts einer Hexe hat. Ihre Feinfühligkeit und Sensibilität machen aus ihr einen Menschen, der viel spürt, viel aufnimmt und viel zwischen den Zeilen lesen kann. Gitte ist, wie soll ich das sagen...

 

Meine kosmische Schwester, ja das trifft es so ziemlich. Aber ich schweife ab, weiter im Tagesablauf: Dann würden wir weiter fahren und die Insel erkunden, einen schönen botanischen Park besuchen oder in die traumhafte Sandbucht - Cala Portals - fahren, schwimmen und sonnenbaden.

 

Dann in einem verträumten Dörfchen, daß ich hier nicht verraten werde, Tapas essen und anschließend wieder in unsere Finca fahren, Siesta halten, kuscheln, lieben und schlafen. Sonntags eine alte romantische Tropfsteinhöhle besuchen, wo auf einem unterirdischen See Boote fahren, auf denen Katalanen auf der Geige spielen.

 

Dann raus, ab ins Auto und an einen einsamen Strand, Baden und uns lieben. Dann, am Montag morgen um 6 Uhr los, um 7 Uhr am Airport , Auto abliefern, rein in den Flieger und nach Hause.

 

Oh wie wäre das schön gewesen. Aber da wäre noch jemand, der sicherlich etwas dagegen gehabt hätte. Lisa, seine Holde. Also bleibt das ganze ein Traum.

 

Aber, wie geht es jetzt weiter? Kommen wir zusammen? Robert und ich? Montag, 6.8.02 Gerade sitze ich auf meinem Balkon und denke mir: Ganz so schlecht wie es aussieht, geht es mir doch eigentlich gar nicht.

 

Auch wenn ich seit Freitag morgen nichts mehr von Robert ge- hört habe. Zweieinhalb Wochen davor haben wir noch mal eine sehr schöne Zeit zusammen verbracht. Wir wanderten rund um einen verträumten, absolut romantisch gelegenen See. Am 20.Juli war das. Genau.

 

Samstagvormittag starteten wir also zum Wandern. Irgend- wann fanden wir ein lauschiges Plätzchen an einer sonnenbeschienenen Lichtung direkt am Wasser. Dort zogen wir uns aus und gingen ins Wasser, schwammen um die Wette und alberten wie eh und je im warmen Naß. Später ließen wir uns von der Sonne trocknen, und sahen uns dabei tief in die Augen. Ohne Worte.

 

Das gab dem ganzen seine eigene erotische Situation. 5 oder 6 Stunden verbrachten wir dort an diesem Fleck, denn Gott wohl persönlich angelegt hat, so schön war es dort. An- schließend sind wir nach Hause gefahren, zu ihm. Seine Frau hatte wieder mal Nachtschicht.

 

Wir bastelten uns in der Küche ein leckeres, leicht versalzen-es Abendessen und lachten während der ganzen Kocherei wie zwei Doofe. Schließlich sind wir dann zusammen im Bett gelandet zum Kuscheln, zum lieb haben, schmusen, streicheln, aneinander schmiegend einzuschlafen. Sonntag morgen sind wir dann gemeinsam in den angrenzenden Wald gegangen, zum Pilze suchen und finden.

 

Lange hatten wir ja keine Zeit, weil seine Frau gegen Mittag aus der Nachtschicht kommen sollte. Pünktlich erschien sie dann um 13:00 Uhr. Mega schlecht drauf, und übermüdet. Ich hab die Situation dann entschärft, indem ich mich schnell verabschiedet hatte und nach Hause bin. Am Freitag darauf wollten wir beiden ins Kino.

 

Wir trafen uns bei mir und entschlossen uns, wieder gemeinsam zu kochen, diesmal mit weniger Salz *g* Nach dem Essen legten wir uns faul auf die Couch und pflegten unsere Lieblingsbeschäftigung, Rücken kraulen. Während wir in unserer Zweisamkeit dahin schmolzen, klingelte es an der Haustür.

 

Erst einmal, dann noch einmal, dann wieder und wieder und wieder. Ich dachte, das SEK steht vor der Tür, aber die würden wohl nicht klingeln. Nach 15 Minuten Sturm klingeln, es wundert mich noch heute, daß die Klingel nicht durchgebrannt ist, machte ich auf und siehe da, es war nicht das SEK, auch nicht Lisa. Nein.

 

Es war Theo! Er hatte Roberts Auto neben meinem stehen sehen und uns besuchen wollen. Lisa hatte ihm am Telefon gesagt, das Robert mit mir ins Kino wollte. Aber Theo sah Licht im Wohnzimmer brennen und wusste dadurch, daß wir in der Wohnung sind. Ich musste Theo gar nicht hereinbitten, er spazierte schnurstracks an mir vorbei in die Wohnung, ging in die Küche und begrüßte Robert sehr lange und ausführlich…… Ja, er ließ ihn gar nicht mehr los, geschweige denn aus den Augen.

 

Ich war plötzlich Luft, wie mir schien. Aha, dachte ich mir, Nachtigall, ich hör schon den Alarm.

 

Theo redete und redete, wollte Robert einladen, mit ihm doch Baden zu gehen und er solle mal wieder zu ihm zum Essen kommen, Robert hinten und Robert vorne. Ich hörte mir das an und konnte ja schließlich nichts darauf sagen. Da lag es nun an Robert, eine Ansage zu machen, was ihm mehr schlecht als recht gelang. Das wars dann wohl mit dem schönen Abend. Abgehakt. Vergessen.

 

Herzlichen Glückwunsch: Arschkarte Nr. weiß-ich-nicht. 2 Tage später sind Robert und ich dann noch mal zum Baden an den See gefahren, leider zu kurz, um es Romantisch zu bezeichnen.

 

Und dann kam der Freitag, an dem Robert nun doch mit Lisa und Patrick nach Bali flog. Ein harter Abschied, und leider noch so geheim und irgendwie war es einfach übel, hart und schmerzlich.

 

Ich sag es ganz ehrlich: Ich vermisse ihn so sehr. Ich liebe ihn wirklich. Nicht als Seeobjekt, sondern als Mensch. Ich hatte die Tage noch Bedenken, wo bzw. ob ich ihm einer Beziehung das geben kann was er will. Unter anderem 2-3 mal Sex am Tag.

 

Kann ich nicht, oder besser gesagt, will ich gar nicht. 3-4 mal, o.k. vielleicht auch 5-6 die Woche würde mir reichen. Das muss ich ihm noch sagen, nachdem er mich letzte Woche gefragt hat: “Wie oft willst du denn Sex”? Es ist im Grunde genommen eine bescheuerte Frage! Wie eine Vertragsverhandlung. Es geht mir nicht um so und so viel Sex, weshalb ich mit ihm zusammen sein will. Es geht um mehr als das.

 

Es geht darum, das ich ihn sehr sehr liebe, mit ihm zusammen sein will, mit ihm meine Zeit verbringen will, meine Freude teilen will, die guten Erlebnisse und die nicht so guten. Er baut mich auf, wenn es mir mal nicht so gut geht. Ich bau ihn auf, wenn es ihm nicht so gut geht. Es ist ein Geben und Nehmen, wobei das Gleichgewicht noch nicht wirklich ausgependelt ist. Aber jetzt sehe ich ihn erst mal 3 Wochen nicht. 3 lange Wochen ohne ein Wort, ohne eine SMS, ohne einen Anruf. Das wird wohl die Feuertaufe, nehme ich fast mal an.

 

 

HAPPY NEW YEAR

 

Herbst 2002.

Seit Robert vom Urlaub zurück gekommen ist, wird die Zeit, die wir zusammen verbringen, immer knapper. So knapp, daß wir uns bis Dezember nicht wirklich dazu aufraffen können, gemeinsame Stunden zu verbringen. Es waren scheiß Tage, Wochen, Monate. Und das ganze war nicht auszuhalten. Geschieden war Robert übrigens immer noch nicht. Als wirklich etwas passierte, wurde es Dezember und Weih-nachten dazu.

 

An Weihnachten wurde ich krank. Grippe. Am Heiligabend haben wir zusammen noch den Weihnachtsbaum geschmückt. Er, ich und der kleine. Es war sehr romantisch. Den Heiligen Abend habe ich allerdings ohne ihn verbracht und es vorgezogen, mit Aspirin, Pinimenthol und einer Wärmflasche im Bett zu verbringen.

 

Kurze Zeit nach Weihnachten war ich mit Robert, Lisa, Martin und Olli im Spaß und Erlebnisbad „Alpamare“ in Bad Tölz. Das hätte ich tunlichst bleiben lassen sollen, denn danach wurde ich so richtig krank. Aber doof und verliebt wie ich war, wollte ich jede freie Minute mit Robert verbringen und bin also mitgegangen. Robert hatte mich im Alpamare im heißen Sole-Außenbecken einmal liebevoll an sich herangezogen, was mir schon sehr gefallen hat. Es war ja schon dunkel und das heiße Wasser macht viel Nebel.

 

Nebel, in dem man viel vernebeln kann….. Silvester lief eher bescheiden ab. Ich wurde abends eingeladen, den Jahreswechsel mit Robert und Lisa zu verbringen. Lange war ich nicht dort, kurz nach Mitternacht bin ich nach Hause, da ich Schüttelfrost bekam.

 

Zwei Wochen später luden mich die beiden wieder ein. Ich war um 18.00 Uhr bei den beiden. Um 21.00 Uhr dachte ich, ich sitze im “Kleinen Theater”. Um 21.30 Uhr wusste ich, das ist eher die “große Aufführung” von Ehekrach.

 

Und ich saß nicht in der ersten Reihe, ich saß mitten drin. Robert hatte ihr vorgeworfen, daß das keine Ehe sei, daß er nie Zärtlichkeiten bekommt, daß immer unterschiedliche Meinungen herrschten, daß sie kein Sexleben mehr haben, und so weiter und so fort. Lisa hat sich nur verteidigt, daß sie keine Lust darauf hat, Sex zu haben, wenn sie von der Arbeit kommt, weil sie dann fertig und müde sei und anfangs hat sie mal gesagt, daß sie das sowieso nicht mag, wenn Robert ständig an ihr rumgrabscht.

 

Dann gab Robert wieder Gas und sagte zu mir: „Siehst Du, das ist genau das, was immer passiert, dann sagt sie nichts mehr, dann wird nichts mehr ausdiskutiert.“

 

Daraufhin zog Lisa ihren Ehering vom Finger und warf ihn auf Robert. Sie traf ihn sogar voll auf die „Zwölf“, mitten zwischen seinen Augen. Guter Schuss!

Dann versuchte sie noch in einem Anfall geistiger Umnacht- ung oder beginnendem klimakterischem Wahn, den Christbaum anzuzünden, „...weil das Haus ja eh abgerissen wird!“ und drehte damit völlig durch. In einer kurzen Pause fragte ich: “Seit ihr jetzt einigermaßen fertig, denn ich will jetzt heim”.

 

Lisa sagte nichts, sondern ging ins Bett. Ich fuhr heim. Keinen von beiden konnte ich ihn den Arm nehmen, dazu war die Stimmung zu beschissen. Lisa sagte nur noch: “Dann schlaf ich in Zukunft wieder im Gartenhaus, da hab ich wenigstens meine Ruhe vor Dir. Ich weiß, daß es ein Scheißjahr wird, es hat ja schon so angefangen”. War das jetzt gut oder schlecht zu werten?

 

Und nun?

 

Kommt als nächstes die Scheidung? Eher nicht, denn das, was die beiden da an Show ablieferten, läuft doch tausend mal pro Tag in unserem Land ab. Also sind das ganz normale Ehekrisen….

Aber wie lange will er noch daran teilhaben und seine Rolle dabei spielen? Die Antwort kannte dato noch keiner.

 

Ein paar Wochen später, die Luft hatte sich wieder beruhigt, bin ich mit Robert zum Baden verabredet. Wieder in unserem Lieblingsbad in Bad Wiessee. Wir fuhren also Samstag zum baden und planschen.

 

Nichts schlechtes denkend und in trauter Zweisamkeit im Whirlpool sitzend kommt plötzlich Theo um die Ecke und sieht uns. Da war dann Polen offen.

 

Er legte einen Zickenalarm erster Güte aufs Parkett: Wieso wir nichts sagen könnten, wir hätten ja zu dritt fahren können, ob wir das öfter so machen, ihn einfach ausschließen? Ob Lisa denn nicht dabei wäre? Ob Sie eigentlich wüsste, daß wir beide hier sind, und fleißig weiter so…… Heuchler.

 

Das alles hat mich richtig genervt und ich sagte zu Robert auf der Heimfahrt: “Vielleicht hat das mit uns alles gar keinen Sinn, weil alles immer schief läuft”. Worauf er meinte: “Vom Kopf her kann ich Dir eh nicht empfehlen, mit mir zusammen zu leben”. Was sollte denn das jetzt wieder?

 

Und schließlich hatten wir einen dicken Streit, der mit dem Satz von Robert endete: “Dann such Dir halt jemanden, der ungebunden ist”. „Na Bravo! Sags halt gleich, wenn Du nicht willst,“ fuhr ich ihn an und dachte: Vielleicht hat er Recht, schoss es mir durch den Kopf. Denk doch mal drüber nach, sagte mein Engelchen. Was haben wir denn an Fakten: Wenn er mich wirklich lieben würde, wäre er öfter mit mir zusammen.

 

Dann würde er versuchen, mindesten einen Abend in der Woche mit mir, und zwar nur mit mir, zu verbringen. Würde mich auch mal richtig küssen, Würde auch endlich mal mit mir schlafen, mit allem was dazugehört. Würde mir mal Rosen schenken, keine Gänseblümchen.

 

Und, würde endlich mal was in Richtung Scheidung unternehmen. Aber wie lange will ich das noch mitspielen? Dieses blöde Spiel braucht endlich eine Entscheidung, und zwar bald.

 

 

ENTWEDER ODER

 

Schön war das nicht, was er nun für 'nen Zirkus veranstaltete. Nun hatten wir wohl unsere erste „Beziehungskrise“. Er warf mir vor, wenn ich zu ihm sage: “Vielleicht ist es besser, wir trennen uns”, so empfindet er das als Ohrfeige und meinte zu mir: „Du bist so was von wankelmütig“.

 

Weiter sagte er: „Du musst dich endlich mal entscheiden, ob Du einen Schlussstrich ziehen willst. Vielleicht sollten wir es machen. Vielleicht sollten wir die ganze Beziehung verschieben und uns irgendwann mal neu vertrauen…..“

 

Worauf ich dann auch zickig wurde und ihm sagte: „Weißt Du, eine Beziehung kann man nicht so verschieben wie einen Baubeginn. Eine Beziehung findet statt, wann Sie stattfindet! Was denkst Du Dir eigentlich, wie man Gefühle bestellt oder abbestellt, Du hast doch einen Voll-Vogel“.! Das saß!

 

Er meinte wiederum: „ Dann glaubst Du halt nicht an unsere gemeinsame Zukunft, dann können wir das mit dem Hausbau ja vergessen“.

 

Zukunft? Wie lange bastelten wir denn daran schon rum?? Ich stellte ihm die Frage: “Wann denkst Du denn, wird dieser Zeitpunkt einer gemeinsamen Zukunft sein?”

 

Worauf er sagte: “Open end, ich trenne mich nicht, wenn ich niemand habe, mit dem ich leben kann, weil ich nicht alleine sein kann und noch nie sein konnte.”

 

Da musste ich erst mal drüber nachdenken. “Das ist ja Erpressung!”, warf ich ein. Er sagte klar und offen: “Ich weiß”. Ich fragte: “Und wenn ich mich für dich entscheide, voll und ganz, wann gedenkst Du Dich zu trennen?”.

 

Er sagte daraufhin: “Mein Zeitplan sagt dieses Jahr, sofern Du zu mir zurückgekommen bist und keinen neuen Freund hast”.

 

Hab ich das kapiert?! Langsam ja. Zwar sehr langsam und ich hatte lange zwischen den beiden Möglichkeiten gewählt und sie beide mal zu Papier gebracht. Welche ich wählen würde, war für mich persönlich fast schon klar. Nun denn, es gab für mich 2 Möglichkeiten.

 

Meine erste Möglichkeit lautete so:

 

Mein lieber Freund. Du verlangst meine Entscheidung?

Hier ist sie: Ja, ich will. Ich will mit Dir leben. Mit Dir bauen, planen, lieben, unser Leben gemeinsam gestalten. Ich bin hin - und hergerissen, weil ich nicht mehr wusste, wie es weiter geht, weil immer etwas zwischen uns stand.

 

Entweder Lisa oder Theo. Theo hat den “Braten” gerochen. Seitdem hat sich unser Verhältnis mehr als abgekühlt. Diese “Hürde” habe ich gepackt. Nun ist es an Dir, den nächsten Schritt zu tun. Wenn Dir an unserer Zukunft genau so viel wie mir liegt, dann ist es an der Zeit, dies auch durch Handeln zu beweisen.

Ich möchte, daß wir uns nicht mehr nach der Stoppuhr beim Telefonieren richten müssen. Wir sollten uns ab sofort mindestens einen Abend in der Woche für uns einräumen, und zwar nicht nur von 18.30 - 22.00 Uhr sondern so lange, wie es Dir und mir gefällt.

 

Das heißt auch, ein gemeinsames Frühstück schließe ich da nicht aus. Und denke daran:

Für UNS heißt auch für UNS.

 

Ich bin sehr froh, daß wir über unsere Gefühle so offen gesprochen haben und ich hoffe natürlich, daß Du Lisa bald in Deine Entscheidung mit einbeziehst. Es ist bestimmt besser, vor dem ersten Spatenstich für klare Verhältnisse gesorgt zu haben, denn ich glaube, daß ein Haus, das mit Lügen gebaut ist, Unglück bringt.

 

Wenn Du Dir wegen der finanziellen Geschichte Sorgen machst, kann ich Dich beruhigen. Ich werde Dir schon helfen, wo ich kann. Und wenn Du Dich “geoutet” hast und es deshalb Probleme geben sollte, Dir steht jederzeit meine - dann unsere - Wohnung offen, solange die “Villa Sole” in Bau ist. Ich werde Dich seelisch und moralisch unterstützen, denn wenn diese ganzen Unwägbarkeiten, Eventualitäten und Heimlichkeiten aus der Welt, aus unserer Welt, verschwunden sind, bin ich Dir ein Dich liebender, ehrlicher und offener Partner.

 

Wir werden es schaffen. Du mit meiner und ich mit Deiner Hilfe. Wir sind jung, (gut, Du ein bisschen jünger) wir sind gesund und wir glauben an uns. Ich mehr denn je, nachdem wir Samstags offen drüber sprachen.

 

Also packen wir es an. Unser Leben.

 

In Liebe, Dein Partner

 

PS: Ich freu mich auf unser gemeinsames Leben.

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Oder ich wähle Möglichkeit Nummer zwei, die dann so aussehen würde:

 

Lieber Robert.

 

Bevor ich jetzt den Blick für die Realität verliere, muß ich folgende Sachen ganz klar festhalten: Du willst von MIR eine Entscheidung?

 

Hier ist sie: Ich wollte DICH schon immer.

 

Wer ist es denn, der auf DICH wartet? Der nächtelang alleine schläft? Ich!

Ich bin es, der sich von anderen fernhält, weil er an ein Leben mit Dir glaubt. Ich bin es, der warten muss, bis Du endlich eine Entscheidung fällst.

 

Letztes Jahr bin ich nicht nach Mallorca ausgewandert, weil ich hoffte, Du entscheidest Dich endlich für mich. Wie ich Dir schon einmal geschrieben habe, will ich aus “ich” ein “wir” machen.

 

Darauf warte ich seit 300 Tagen und 300 Nächten! Und wenn ich jetzt an unserer Zukunft zweifle, liegt das wohl daran, daß Du Dich nicht entscheiden kannst, was Du willst!?

 

Wenn ich mich frage, ob das zwischen uns überhaupt einen Sinn hat, dann zweifle ich nicht an meiner Liebe, sondern an DEINER. Denn wenn ich sehe, daß Du Angst, nein, falsch, daß Deine Frau auf ein 2.tes Kind von Dir hofft und Du mir sagst “ich passe ja auf”, dann versteh ich Deine Liebe nicht.

 

Anstatt Du sagst “Lisa, ich will kein Kind mehr und schlafe deshalb nicht mehr mit Dir”, nein, da passt du lieber auf….. Oder wenn ich höre, “ich kann nicht so lange telefonieren, weil ich sonst Ärger bekomme”, dann weiß ich nicht, ob Du zu mir stehst.

 

Du willst keinen Ärger, Du willst, daß Deine kleine Welt schön heil bleibt, daß keiner fragt: “Hey Robert, was ist da zwischen Franz und Dir?” Und zu Theo sagst Du: Kein Grund zur Eifersucht??!!

Daran mein Lieber muss ich dann erkennen, daß Du mich vielleicht ganz gern hast, aber LIEBEN ? Weißt Du überhaupt, was LIEBEN bedeutet?

 

Und dann erlebe ich, daß jemand, der mich angeblich liebt, in 300 Tagen und Nächten keinen Kuss als Liebesbeweis, von Sex ganz zu schweigen, für mich übrig hat?

 

Sind da Zweifel nicht berechtigt ?

 

Lieber Freund, werde Dir erst mal klar, und zwar sonnenklar, was Du willst und wen Du willst, und dann können wir vielleicht eine gemeinsame Zukunft miteinander aufbauen. So wie jetzt geht es jedenfalls nicht mehr.

 

Bis dahin wünsche ich Dir ein schönes Leben.

 

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Ich denke, nein ich wusste, ich werde ihm die zweite Möglichkeit schreiben und in die Hand drücken. Wenn ich den Mut dazu aufbringe.

 

Denn nach so langer Zeit will ich endlich wissen, wie ich mit ihm dran bin. Lisa oder ich, das muss er jetzt entscheiden.

 

 

ENDLICH ENTSCHIEDEN

 

Die Entscheidung ist gefallen.

 

Anders als gedacht, aber früher als erwartet. Da ich zu feige war, ihm meinen Brief in die Hand zu drücken, hat sich die Sache in folgender Weise erledigt:

 

Nach unserem Streit kam wieder die übliche Annäherung. Weil von unserem schwulen Stammtisch ein Grillfest am 2. August geplant war, fragte ich ihn eines Tages beiläufig:

 

“Willst Du denn da mitkommen, also mit mir dahin gehen? Ich würd mich da total darüber freuen”. Worauf er sagte: “Ja, da bin ich dabei!”.

 

Das überraschte mich sehr, denn ich hätte, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet. 2 Wochen vor dem Grillfest frage ich wieder : “Und, steht Deine Zusage noch?”

 

Er sagte: “Ja, klar. Hab ich doch gesagt”. Ich sagte zu ihm: “ Da kommen ungefähr 100 Leute, Dir ist schon klar, daß ich Dich dort als meinen Freund vorstellen werde?” Worauf er sagte: “Natürlich, dafür sind wir doch zusammen, oder?”

 

Irgend etwas in mir zweifelte daran. 3 Tage vorher sagte ich nochmals zu ihm, daß am Samstag die große Grillfete steigt und daß damit sein Coming-out stattfinden würde, was er lediglich grinsend kommentierte.

 

Am großen Tag des Sommerfestes, den 2. August 2003 hat mir der liebe Robert nicht persönlich, sondern mit Hilfe der modernen Technik, sprich einer SMS morgens um 08:17 Uhr mitgeteilt:

 

„KANN NICHT MIT ZUM GRILLFEST KOMMEN WEIL DER KELLERBAUER ZUM AUSSCHALEN KOMMT“

 

So plötzlich und erwartet oder unerwartet. That’s it! Das war für mich endlich der Zeitpunkt, ihm Lebewohl zu sagen. Dieser Tag, dieses Grillfest, dieser Samstag war für mich der Stichtag, der Tag X .

 

Irgendwie wusste ich schon Tage vorher für mich, wenn er dieses Treffen absagt, wenn er da nicht kann, nicht kommt, nicht will, dann soll es das gewesen sein. Das ist dann seine Entscheidung, die ich nicht getroffen habe.

 

Besser ist das wohl. Besser für uns beide. Entschieden ist entschieden, und das ist gut so. Das war es also. Robert blieb verheiratet und baute sich seinen goldenen Käfig. Soll er glücklich werden.

 

Meine Zweifel waren also berechtigt. Die einzige Person, die alles natürlich schon vorher gewusst hatte, war meine Mutter. Wie Mütter halt so sind, sie wissen alles. Denn im Katastrophenfall heißt es dann immer: ‚Ich hab’s ja gleich gesagt’.

 

Meine Mutter hatte also Recht. Im Nachhinein gesehen! So hätte ich doch die oberste Priorität befolgen sollen: Verliebe dich NIE in einen Bisexuellen.

 

Das soll als Warnung an alle gehen, die noch zu viel Herz und Verstand besitzen!

 

 

3. Teil

 

 

HORST

 

Nachdem ich mich lange gegen die guten Ratschläge meiner Freunde gewehrt hatte, wieder einmal per Internet einen Partner zu suchen, habe ich im August den guten Ratschlägen schließlich nachgegeben und eine Anzeige in einem schwulen Forum aufgegeben.

 

Ich versprach mir keine großen Neuigkeiten, da ich schon Monde vorher im „Gaychat“ und dann im SEMA (schwules EinwohnerMeldeAmt = „Gayromeo“) eine Annonce eingestellt hatte.

 

Eigentlich wollte ich so was ähnliches schreiben wie: Entweder Kanada, oder... ...einen Freund.

 

Ja, ich (41 Sommer alt) habe beschlossen, mein Glück noch einmal zu versuchen. Nachdem ich jetzt schon wieder zu lange Single bin, ist es doch mal wieder Zeit, mich finden zu lassen.

 

Das soll nicht überheblich klingen, aber ich habe das Suchen irgendwie satt. Nachdem auf dem “Heiratsmarkt” zu 98 % nur schwanzgesteuerte Psychopathen unterwegs sind, hoffe ich unter den restlichen 2 % einen zu finden, der es so ehrlich meint wie ich !

 

Und deshalb möchte ich liebend gern jemand kennen lernen, um ein Stück des Lebensweges, am liebsten natürlich ein langes Stück des Weges, gemeinsam zu gehen. Ich stell mir da jemand vor, der von den Äußerlichkeiten nicht unbedingt 2 Köpfe größer ist als ich, vom Gewicht nicht gerade Werbung für “ich bin 2 Öltanks” macht und am liebsten KKG (klein, kompakt, geländegängig) ist.

 

An den berühmten 3 BBB ‘s störe ich mich nicht, ich habe selber mindestens 2 (Brille meistens, Bart selten), manchmal auch 3 wenn ich wieder mal mehr als 68 kg hab. Phantastisch wäre es natürlich auch, wenn Du nicht unbedingt in Hamburg wohnst, sondern irgendwo zwischen München und Garmisch.

Altersmäßig solltest du irgendwo zwischen 35 und 45 sein. Nichts gegen das Alter, wir werden Gott sei Dank alle älter, aber es sollte halt cirka - ungefähr passen. Klingt ganz schön anspruchsvoll, was ? Aber da kommt noch mehr.

 

Vom Charakter her sollten Dir Begriffe wie Ehrlichkeit, Treue, sensibel, humorvoll, witzig, spritzig, intelligent und: nicht cholerisch oder egoistisch mehr als nur “etwas” sagen. Ansonsten wünsch ich mir einen gepflegten verschmusten, kuscheligen, putzigen, lieben Kerl, der kulturell nicht gerade der super GAU ist, der weiß, wer Albert Einstein war, Max Reger kennt (mein Ur-Ur-Opa), Nora Jones mag, der im Bett kein Egoist oder ne Flasche ist, nicht jeden Tag Sex braucht, und wenn, dann sanft und wild aktiv ist, der im Leben meistens mit beiden Beinen auf dem Boden steht, gerne in den nahen Süden reist (ich liebe Mallorca), Seereisen mit der AIDA mag, kochen kann, kein Szenetyp ist, nicht den Kragen voller Schulden hat, auch einen fahrbaren Untersatz besitzt, den Starnberger See und die Isar lieber mag als eine verrauchte Disco, eher ein Sommermensch wie ich ist (Zwilling), endlich spanisch und italienisch lernen will, auf Massagen steht, auch vui zvui Gfui hat, und und und…. …ja, ich weiß.

 

Wahrscheinlich will ich zu viel und muss doch nach Kanada auswandern, mir eine Hütte in der Wildnis bauen, Wölfe dressieren und Lachse züchten Oder doch nicht ?

 

Wenn es Dich wirklich gibt, melde Dich! Liebe Grüße an alle Suchenden, ich hoffe, jeder findet, was er verdient hat.

 

Guter Text, wie ich finde. So richtig aus dem Bauch heraus. Aber viiiiiiiiiel zu lange. Das liest heute eh keiner mehr ganz durch, oder?

 

Nun denn. Nachdem im „Gaychat“ nur Geplänkel und oberflächliches Getue an der Tagesordnung waren, ist es im „Gayromeo“ doch ganz anders gewesen.

 

Neben den 98 % der üblichen Idioten hoffte ich unter dem Rest auf den Einen, der so war, wie ich ihn beschrieben hatte. Neben einigen “Bekannten”, die ich dort wieder getroffen habe, waren auch so seltsame Zeitgenossen dabei, die meinten, sie könnten mit mir ihre geilsten Phantasien ausleben……

 

Als ich mit meinen 41 Sommern das erste mal von einem 24 jährigen angeschrieben wurde, der ein Bild mit Army – Hose, nacktem Oberkörper und Military - Cap mitsendete und vor- schlug, wir könnten uns doch treffen, damit er mir anständig den Hintern versohlen könne, dacht ich, ich fall vom Glauben ab.

 

Dann kamen noch so einige, für die ich absolut die falsche Adresse war!

 

Und zwar mit absoluter Sicherheit! Von “Schlagen mit einem nassen Lederriemen” über “Park-platzsex, heut oder morgen ab 20.00 Uhr an der A95” bis “ficken nur outdoor, am liebsten am ersten Parkplatz in Puppling” oder “Lust auf Wasserspiele” war alles dabei.

 

Irgendwann bekam ich sogar eine Einladung zu einem flotten Dreier, zu dem ich doch bitte mit Gummistiefeln erscheinen sollte. Der Käfig voller Narren war ein Kindergarten dagegen.

 

Irgendwie fühlte ich mich in dieser virtuellen Umgebung nicht wohl. Also hab ich mich aus dem “Blauen Portal” wieder verabschiedet, schließlich habe ich mir das lange genug (2 Monate) angeschaut und kann jetzt wenigstens behaupten, ich kann mitreden….. Dann, wie gesagt war erst mal große Pause.

 

Nach Drängen und langer Überzeugungsarbeit der beiden „Papas“ meiner “Gay-Family” wurde ich wieder aktiv und fand - oh Wunder - die neue Beziehungsplattform - gay2gether - .

Da es noch relativ neu war, konnte man(n) kostenlos ein Profil aufgeben, das hochkompliziert vonstatten ging. Zuerst natürlich das Alter - in meinem Fall 41, dann Größe: 174 cm und Gewicht: 66 Kilo, die üblichen Fragen also. Doch dann wurde es psychologisch.

 

Es folgten Fragen wie: Wenn Sie ein Buch schreiben würden, welchen Titel hätte es, welchen Einband hätte es, welche Farben hätte der Umschlag?

Dann folgten verschiedene Bilder und Formen, deren Gefallen man auf einer Stufe von 1-10 bewerten durfte. Weiter ging es mit Psycho-Test's: Wie passt das Rad in den Kreis und so was. Oder:

 

Wenn Sie ein Haus wären, welche Form hätte es? Eine Burg, ein Holzhaus, ein Bauernhaus, ein Appartment, ein Baumhaus, ein Leuchtturm……? 16 Möglichkeiten standen zur Auswahl.

 

Nun ja,nachdem ich den ganzen Test gemacht hatte, wurden mir eine Reihe von Männern vorgeschlagen, die den Test auch gemacht hatten und nun mit mir zu einer bestimmten Prozentzahl übereinstimmten.

 

Als Richtlinie gab es die magische Grenze von 60 %. Wer darüber lag, wäre angeblich ein interessanter Partner für mich. Ich hatte eine ganze Menge, die darüber lagen. Aber einer schlug den Rekord, er hatte 94 % Übereinstimmung mit meinem Ergebnis.

Und, er schrieb mich sogar an!

 

Es geschah am 9. Dezember 2005. Nun gut, er machte den typisch deutschen Fehler, nicht alles zu lesen und so fragte er mich, ob ich als Flugbegleiter tätig wäre, obwohl ich Flugdisponent angegeben hatte.

 

Aber kleine Fehler verzeihe ich natürlich, wenn sie von symphatischen Verursachern herrühren. Also chatteten wir hin und her. Das ganze ist ja eine äußerst spannende Angelegenheit. Jeden Tag wartet man schon, ob denn neue Nachrichten im Postfach sind…….

 

Es waren fast täglich neue Nachrichten im Postfach!!!! Ich wurde immer nervöser und auch neugieriger. Ich erfuhr also, daß er Horst hieß, 2 Jahre älter als ich war, eine Colliehündin besaß und am Flughafen arbeitete.

 

Seinem Schreiben nach hatte er auch Stil und diese gewisse Art. Gewählte Ausdrucksweise, witzige Kommentare und tiefsinnige Sätze ließen auf die Art Intelligenz schließen, die ich einfach mal voraussetzte. Ich überlegte, treffen oder chatten! Hin und her.

 

Nun denn, Horst schrieb mir immer wieder und ich natürlich auch zurück. Es begann vielversprechend. Meine Nervosität stieg weiter, als er mir eines Tages auf meinen Anrufbeantworter sprach und seine Nummer hinterließ. Aber irgend etwas hielt mich nun zurück, ich weiß nicht was.

 

Ich sprach mit meiner besten Freundin Anita darüber, schilderte ihr seine erotische Stimme, seine gewählte Aussprache und wusste nicht, ob ich ihn nun anrufen solle oder nicht. Sie meinte : „TU ES! Was hast du zu verlieren? Nichts, aber alles zu gewinnen!“

Ich liebe diese Sprüche, manchmal hasse ich sie aber auch. Engelchen und Teufelchen hätten es nicht besser ausdrücken können.

 

Ich hatte aber immer noch Bedenken. Was ist, wenn wir uns nach 5 Minuten nichts mehr zu sagen haben? Über was soll ich denn überhaupt mit ihm reden? Was, wenn, was weiß ich…….

 

23.12.2005 O.k. Es war der 23. Dezember abends um 20:30 Uhr. Ich wählte seine Nummer und warte. Tuut…….tuut…….tuut. Er hob ab.

 

“Hallo Horst, hier ist Franz” begann ich das Gespräch, daß dann doch nicht nach 5 Minuten zu Ende war, sondern 90 Minuten dauerte. Es war schön mit ihm zu plaudern, zu erzählen, zu fragen und zu antworten.

Wir quatschten über Gott und die Welt, über uns, über Weihnachten, über das Internet, über Autos, über Hunde, da er einen hatte. Über die Arbeit und über was weiß ich nicht noch alles.

 

Nun gut, nach eineinhalb Stunden wünschten wir uns dann auch ein frohes Weihnachtsfest und verabredeten uns für den 25. Dezember nachmittags um halb zwei an der Isarbrücke beim Tierpark.

 

Nachdem also der heilige Abend viel zu langsam vorüberzog, kam endlich der 25.12.2005 Und auch an diesem Tag wurde es irgendwann halb zwei Uhr nachmittags. Den ganzen Vormittag huschte ich wie ein aufgeregtes Huhn durch meine Wohnung.

 

Ich und ein Date, ein Date aus dem Internet. Na Bravo. Was hat man nicht schon alles davon gehört. Vielleicht kommt er ja gar nicht. Oder ich finde nicht hin. Oder es ist Stau auf der Autobahn, oder Blitzeis oder die Elefanten blockieren die Isarbrücke?

 

Ausgerechnet heute sitzen meine Haare nicht so, wie ich mir das vorstelle. Mittags lies ich das Essen ausfallen. Hätte sowieso keinen Bissen runtergebracht, so nervös wie ich war. Also fuhr ich endlich mal los. Ich parkte am alten Bahnhof, ging über Eisplatten in Richtung Brücke und bog rechts ab zu unserem verabredeten Treffpunkt, ging 20 Meter den Kiesweg hinunter und sah ihn dort stehen.

Groß, gut 180, blonde kurze Haare, Gletschereisbonbonfarbene Augen, ein NY-Cap auf dem Kopf, Jeans, Boots und eine dicke schwarze Winterjacke mit Fellkragen.

 

In seiner Begleitung ein schöner ausgewachsener reinrassiger Collie namens Leika. Wir begrüssten uns alle 3, eher schüchtern, aber neugierig, und gingen in Richtung Süden. Lange gingen wir nebeneinander, redeten und scherzten.

 

Wir erzählten uns auch ernste Dinge wie Enttäuschungen aus unserer Vergangenheit und so weiter. Ich entnahm seinen ganzen Erzählungen, daß er ähnlich reagierte und ähnliches erlebt hatte wie ich. Welch schicksalhafte Fügung?!

 

Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Es schneite nicht, die Sonne schien zwischen Wolken hindurch und begleitete uns auf dem ganzen Spaziergang, der gut 2 Stunden dauerte, ehe wir dann noch eine weihnachtlich geschmückte Gaststätte besuchten, um uns bei einem Cappuccino aufzuwärmen.

 

„Leika mag Dich“, sagte Horst. Ohne Zweifel hatte ich das gleiche Gefühl, weil sie fast auf meinen Schuhen lag. Da ich die ganze Woche Urlaub hatte, verabredeten wir uns für Mittwoch, den 27. Dezember in München zum Shopping, bevor ich mich auf den Heimweg machte.

 

Am Parkplatz angekommen, nahm ich ihn in den Arm und sagte: Ich freu mich auf Mittwoch!

 

27.12.2005 Am Mittwoch fuhr ich dann mit der S-Bahn nach München, da ich es eigentlich hasse, mit dem Auto einen Parkplatz zu suchen. Es war kalt, windig und ab und zu jagte ein Schneeschauer die Menschen in die Kaufhäuser. Uns auch.

 

Wir gingen auch in ein paar Cafe’s, um uns aufzuwärmen und in trauter Zweisamkeit über unser Leben zu reden. Als dann die Zeit viel zu schnell verging, musste ich mich schließlich doch auf den Weg nach Hause machen, außerdem hatte ich plötzlich ziemliche Rückenschmerzen bekommen. Trotzdem war ich glücklich und bester Laune.

 

2 Stunden später war's mit der guten Laune aber schlagartig vorbei, denn: Ich bekam eine Nierenkolik. Diese brutalen Schmerzen zwangen mich schliesslich, den Notarzt zu rufen. Der kam auch 5 Minuten später und ließ mich mit Blaulicht ins nächste Krankenhaus einliefern.

 

Horst konnte ich nicht mehr verständigen. Ich hatte diese irren krampfartigen Schmerzen, war also mehr mit mir selbst beschäftigt und durfte im Krankenhaus sowieso kein Handy benutzen. Zudem machte Horst sich am nächsten Morgen auf den Weg zum Flughafen, um nach Hause zu fliegen, da seine Schwester ebenfalls im Krankenhaus lag. Keine gute Ausgangsposition. Eher ein schlechter Anfang!

 

Nach weiteren 3 Tagen und keiner neuen Kolik drängte ich darauf, das Krankenhaus wieder verlassen zu dürfen, was mir auch gelang.

 

31.12.2005

 

Alle Jahre wieder, der letzte Tag ist da: Silvester!

Zu Hause angekommen, machte ich mich umgehend daran, Horst endlich zu informieren, was alles passiert ist. Ich habe ihm ja nichts gesimst, damit er sich nicht noch zusätzliche Sorgen machte.

 

Als ich ihm alles erzählt hatte, war er sehr besorgt darüber und schimpfte, warum ich nichts gesagt habe……

 

Als er dann Anfang des neuen Jahres aus Düsseldorf zurück kam, lud ich ihn für Freitag abend zum Essen ein.

Es gab nur Leichtes, Tomaten mit Mozarella und Balsamico-Essig. Da er am nächsten Tag arbeiten musste, fuhr ich ihn zur S-Bahn um 21.34 Uhr, da er früh raus musste. Am nächsten Tag rief er mich gegen Nachmittag an und sagte, er habe den Vormittag in der Flughafenklinik verbracht, da er Magenkrämpfe hatte. Die stellten eine Balsamico-Allergie fest.

 

Er meinte noch, wenn ich ihn umbringen will, sollte ich ihn vorher warnen. O.K., ich habe verstanden! Und grinste, da ich nicht im geringsten daran dachte, daß er das ernst meinen könnte.

 

Sonntags war er dann wieder bei mir, wir kuschelten und schmusten auf meiner großen Couch. Zwei Wochen sind mittlerweile ins Land gezogen und es sah ganz danach aus, als ob ich das große Los gezogen hätte. Er war nett, charmant, gebildet, souverän, hatte einen guten Job am Airport, eine eigene Wohnung mitten in München und man höre und staune noch eine 3 Zimmer Wohnung in Gauting, die er einer vierköpfigen Familie vermietet hatte.

 

Mitte Januar waren wir 3 (Horst, ich und der Hund) auf einen Geburtstag bei meinem Freund Christof eingeladen. Wir haben uns gut amüsiert, nette Gespräche geführt und sind ab und an zum Rauchen vom Partykeller vors Haus gegangen und haben eine klare Winternacht bei minus 18 Grad genossen.

 

Wenn man bei solchen Temperaturen noch von genießen sprechen kann. Nachdem sich die Party langsam aber sicher dem Ende neigte, fuhren wir nach Hause um unsere erste gemeinsame Nacht zu verbringen.

 

Sinnlich, zärtlich, romantisch, wild, sanft und heiß. Ich könnte jetzt eine seitenlange Beschreibung abgeben, was zwei ausgehungerte einsame Menschen im Rausch der Liebe und Leidenschaft alles miteinander anstellen können.

Aber da würde ich mich wiederholen und Sie vielleicht langweilen.

Außerdem soll das ein Roman werden und kein Pornoheft. Schön, gut, haben wir das auch geklärt.

 

Montag morgen musste Horst dann wieder nach Hause, da er ja auch zwischendurch mal was arbeiten musste, wie ich übrigens auch. Montag mittag hatte er dann allerdings ein Problem. Magenkrämpfe. Und zwar in einer nie gekannten Heftigkeit, die ihn veranlasste, den Notarzt zu rufen.

 

Dieser kam dann auch, stellte eine Gastritis fest und empfahl, so bald wie möglich eine Magenspiegelung machen zu lassen. Horst versprach ihm, diese am folgenden Tag machen zu lassen.

 

Der folgende Tag sollte jedoch sein Leben radikal verändern!

 

Dienstag morgen also begab er sich zum Arzt, der ihn ins Krankenhaus überwies, um eine Spiegelung durchführen zu lassen. Horst hatte allerdings erst noch für den Hund zu sorgen und fragte eine Nachbarin, ob sie sich so lange um ihn kümmern würde, falls es länger dauern sollte. Die Nachbarin nahm Leika gerne.

Zum richtigen Zeitpunkt, denn die Magenkrämpfe kamen wieder und Horst ging schneller als geplant ins Krankenhaus Großhadern.

 

17.01.2006

 

Notaufnahme im Krankenhaus Großhadern.

 

Dort wurde erst mal eine Sonographie gemacht, dann eine Magenspiegelung. Dann ging alles rasend schnell. Vermutlich hat man mittels der Magenspiegelung wohl ein Schlachtfeld in der Magengegend erkannt, denn das Geschwür hatte wohl sehr gewütet und mehr getan als nötig.

 

Die diensthabenden Ärzte entschieden sich für eine sofortige Notoperation, in der man ihm Teile des Magens entfernen wollte. Die Operation dauerte von 22:00 Uhr bis 02:20 Uhr morgens.

 

Mittwoch abend rief ich auf der Station an um mich nach Horst’s Befinden zu erkundigen. Horst war jedoch schon wieder so fit, um selbst mit mir sprechen zu können. Ein zäher Kerl.

 

Er erzählte mir kurz, daß wohl alles gut verlaufen sei und er sich noch recht schwach fühlte.

 

Na, kein Wunder, wenn sie ihm einen Teil seiner Innereien entfernt hatten. Donnerstags machte ich mich dann auf, um ihn im großen Krankenhaus zu besuchen.

 

Eine gespenstische Szene, wenn man auf diese Klinik, die von weitem schon erkennbar ist, zufährt. Eine unendliche Anzahl von Parkplätzen, ein Gewirr von Gängen und Aufzügen, bis man das findet, wonach man gesucht hat.

 

Im Zimmer 6105 der Station G6 fand ich ihn, blaß in seinem Bett liegend, mit einer Unzahl Schläuchen in seinem Körper und Apparaten drum herum. Die Ärzte haben sich noch nicht groß über den Befund ausgelassen, waren jedoch mit der OP sehr zufrieden. Sein Zustand war stabil und zusehends positiv, was sogar die Ärzte bemerkten.

 

So verging die Woche wie im Flug und ich besuchte ihn jeden Tag, was ihn sichtlich freute. Am Wochenende nach der OP spazierte er sogar schon wieder mit seinem Rollständer und den Infusionen daran im Krankenhausgang umher, bis in die Cafeteria.

 

Da ihm ja der Bauch auf ca. 30 cm aufgeschlitzt wurde und in seinen Eingeweiden herumgebastelt wurde, war seine Nahrungsaufnahme beschränkt, außerdem musste die Verdauung ja auch langsam wieder an den natürlichen Rythmus gewöhnt werden.

 

Logischerweise gibt es nach größeren Operationen in den Eingeweiden natürlicherweise auch Verdauungsstörungen. Wenn einem nun ein Wind quer im Bauch liegt, muss man ihm vorsichtig den Ausgang zeigen. Die Umgebung dabei spielt überhaupt keine Rolle.

 

Also musste er in der Cafeteria seinen Blähungen den Ausgang zeigen, was er mit einem erleichterten Gesichtsausdruck quittierte.

Ich sagte dabei zu ihm: „Hast Du wohl auf lautlos gestellt, was?“ Worauf er sagte: „Nein, auf vibrieren!“ Was uns beide zu einem Lachanfall verleitete, der ihm nicht so gut tat, da sich ja noch 25 Klammern auf seinem Bauch befanden!

 

Doch Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und, es soll sogar zur Heilung beitragen! KREBS

 

23.01.2006

 

Am Montag kurz nach dem Frühstück, gegen 09:00 Uhr bekam Horst Besuch vom diensthabenden Stationsarzt, der bei der OP zugegen war. Die Tür ging auf und der Arzt sagte zu ihm: „Guten Morgen, Herr Domberg, wir haben jetzt den Befund der Operation bekommen, sie haben Magenkrebs.

 

Wir müssen ihnen den Rest des Magens auch noch entfernen. Am besten übermorgen!“

 

Magenkrebs mit 43 Jahren. Offizielle Stufeneinordnung: G3. PT3 pN2 G3, diffuser Typ. Und das eben mal so zwischen Morgenschiss und Marmeladensemmel.

 

Prost Mahlzeit! Er rief mich daraufhin sofort an und hat mir am Telefon diese Schreckensnachricht mitgeteilt. Ich war zu dem Zeitpunkt im Büro und zitterte, als ich den Hörer in der Hand hielt und das Gefühl hatte, mir gerade die Hand zu verbrennen.

 

Dann weinte ich. Abends fuhr ich ins Krankenhaus, nahm ihn in die Arme und frage ihn aus: Was, wie, warum, woher und nun? Er sagte mir, was die Ärzte alles machen wollen und ging erst mal eine Zigarette mit mir rauchen.

 

Klingt komisch, aber in der Situation spielt es keine Rolle, ob man raucht oder nicht. Bei einer 5-Jahres Überlebensrate von 17 % macht das keinen großen Einfluss, glauben Sie mir das.

 

25.01.2006

 

Mittwoch morgen war es dann soweit. Die OP dauerte 4 Stunden, dann hatte man es geschafft, den Magen komplett zu entfernen, den Darm zu einem Y zu formen, die Galle raus zu nehmen, ein Stück des Darms wegzuschnippeln und das ganze wieder zusammenzunähen.

 

Die Narbe war nun noch ein Stück länger als vorher. Krass, kann man da nur sagen. Nachdem er sich sehr schnell erholte, durfte er das Krankenhaus 10 Tage später verlassen.

 

Man bereitete ihn darauf vor, daß er in 4 Wochen eine kombinierte Strahlen und Chemo- therapie machen muss, um eventuelle Mikrometastasen zu vernichten. So schnell und doch so langsam vergingen noch nie 4 Wochen in unserem Leben. Es war eine seltsame Zeit.

 

Geprägt zwischen Bangen und Hoffen, Angst und Zuversicht. Information und Verzweiflung. Schrecklich. Während dieser Zeit sagte Horst öfter zu mir: “Du kannst es dir ja noch über- legen, ob du das alles mitmachst. Noch kannst du dir einen gesunden Mann suchen.“

 

Ich hab nicht überlegt, ich hab es mitgemacht, aus welchen Gründen auch immer...

 

Dann war er da, der große Tag.

 

6. März 2006.

 

CHEMO

 

Dicker Schnee lag über der Landschaft. Es hatte am Wochenende wie verrückt geschneit. Am Samstag abend kamen sogar im Radio die ersten Durchsagen: In München wurde der Straßenbahnverkehr eingestellt.

 

Spät abends dann hieß es: Auch der Busverkehr ist nun eingestellt worden. 50 cm Schnee lagen auf den Häuserdächern, den Wiesen, den Feldern - Winter pur! Weiß wohin man sieht, und kalt. Als ob die Welt eingefroren wäre.

 

Horst trat seinen Gang durch die Krebsstation um 08.00 Uhr an. In der Klinik eröffneten sie ihm dann, daß es am ersten Tag keine Chemo gibt, da die Zytostatika nicht vorrätig sind.

 

Ich hab das überhaupt nicht verstanden. Es war eine Uni-Klinik, die wussten doch seit 4 Wochen, daß der Patient am 6.3. kommt. Dicker Fehler, denk ich mir. Als ich ihn am Abend nach der Arbeit besucht hab, erzählte er mir von seinem ersten Aufenthalt unter der Strahlenkanone.

 

Es hat nicht lange gedauert, vielleicht eine Minute wie er meinte. Und, es ist auf der gleichen Etage wie sein Zimmer liegt. Sein Zimmer liegt im zweiten Untergeschoss. Daß das Krankenhaus Großhadern ja nicht der modernste Bau ist, weiß jeder, der schon mal dort war.

 

Alle Etagen über der Erde sind, sagen wir mal, so gut wie möglich renoviert worden. Auf dem Weg zur U2, Untergeschoss 2 wird man stutzig. Der erste Stock nach unten war noch nicht erschreckend.

 

Das Treppenhaus zum zweiten Untergeschoss ist schon von Kratzern in der Wand, schlechtem Licht, abgenutzten Linoleum und uralter Wandfarbe gekennzeichnet. Die Temperatur im zweiten Untergeschoss war auch mindestens 5 Grad unter der der “Besucherstrasse”, die ebenerdig liegt.

 

Die Lifttüren waren verkratzt und der braun- graue Lack längst abgesplittert. Spontan fiel mir der Spruch ein: Sieht ja aus, wie der Vorhof zur Hölle!

 

07.03.2006

 

Seine Ernährung ist eine Katastrophe. Der Plan, daß er alle 3 Stunden etwas zu essen bekommen soll, klappt ganz und gar nicht. Entweder kommt keiner, oder keiner weiß etwas davon.

 

Irgendwie tut in dem Haus jeder das, was er gerade will, scheint mir. So kommt zum Beispiel erst nach einigen Tagen der Diätassistent der Klinik, um übers Essen und die Ernährung zu sprechen. Verwundert sieht er ein Buch von Herman Mestrom auf dem Nachttisch des Patienten liegen.

 

Wohlgemerkt, es handelt sich um DAS Buch für alle Patienten ohne Magen. Diese Fibel haben wir schon vor einigen Wochen aus dem Internet bestellt. Bis zu diesem Abend war es dem Diätassi nicht bekannt.

 

16.03.2006

 

Dritter großer Fehler, statt in 18 Stunden läuft das Zellgift in 12 Stunden durch die Venen in den Körper!

 

23.03.2006 Sein Geburtstag!

Man eröffnet ihm, die Chemo müsse um eine Woche verlängert werden! Er ist am Boden zerstört und ich fange ihn auf. Ich tröste ihn, helfe ihm, die letzten Tage auch noch durchzustehen. Wenn es bis jetzt gut gelaufen ist und er noch alles Haar auf dem Kopf hat, kann eine Woche mehr auch nicht schaden. Hauptsache der Krebs verschwindet.

 

Ich helfe ihm, einen Kampf gegen die bösen Zellen zu visualisieren. Ich erkläre ihm, daß er gegen die bösen schwarzen Zellen kämpfen muss. Er hat gute Zellen, Helferlein, grün und mächtig.

 

Mit meiner Erzählung und Schilderung der grünen gegen die schwarzen scheine ich in ihm etwas wie Kampfgeist aufzuwecken, was mir sein Glanz in den Augen verrät. Alles scheint sich gegen ihn zu verschwören.

 

Eine Versicherung, die er zu Berufszeiten noch abgeschlossen hat, Berufs- unfähigkeitsversicherung genannt schreibt, sie zahle nicht, da er nicht in der Arbeit erkrankt ist, deshalb gibt es keinen Cent.

 

Zahlungen hier, Rechnungen dort, Nachdem ja die 6 Wochen Lohnfortzahlung schon abgelaufen waren, gibt es nur noch Krankengeld und das ist ja bekanntlich um einiges weniger.

 

Also stellen sich die ersten “finanziellen Engpässe” ein. Aber schließlich sind wir ja zu zweit und da ich ja etwas Erspartes besitze, kann ich ihm ja vorübergehend darüber hinweghelfen.

 

06.04.2006

 

Ein Wunder? Oder menschlicher Fehler Nr. 5? Die Klinikmenschen geben bekannt, daß man sich verrechnet habe und in der ersten Woche die doppelte Strahlendosis verabreicht hat, deshalb muss die Behandlung doch nicht um eine Woche verlängert werden.

 

Das klingt nicht gerade nach Erfolg. An den beiden Tagen, an denen Horst nach Hause darf, Samstag und Sonntag, braucht er viel Kraft, um sich von den Strapazen der Woche zu erholen.

 

Ich mach ihm jedoch die Zeit so angenehm wie möglich und wir unternehmen nicht zu wenig und nicht zu viel, damit er den Spaß am Leben nicht verliert. Nachdem er sich bei Ikea in 2 Regale verkuckt hat, sage ich noch: „Wenn du die unbedingt haben willst, kaufen wir sie. Zahlen kannst du, wann du willst. Ich übernehm das erst mal“. Das freut ihn und wir kaufen mehr als wir brauchen bei unserem Lieblingsmöbelhaus aus Schweden.

 

13.04.2006

 

Die letzte Chemodosis. Abends ab 19.00 Uhr soll die Chemo 18 Stunden lang in seinen Körper laufen. Was tut sie aber? Nach 7 Stunden platzt ihm die Ader, welche das Gift in seinen Körper transportiert. Das Zellgift läuft nicht in die Ader, sondern ins Gewebe.

 

Horst schlief, als es passierte, dann war das ganze Bett voller Blut und Zytostatika. Die Schwestern eilen mit Kittel und Handschuhen herbei und das kleine Seveso aufzuräumen. Bei der Gelegenheit beschließt man sofort, die Chemo einfach abzubrechen und den Patienten nach Hause zu schicken. Mit der Auflage, am 16.05. In die REHA zu gehen.

 

Am schönen Chiemsee. Übrigens soll er noch einen Arztbericht bekommen, den er mitnehmen muss an den schönen Chiemsee. Doch bevor es soweit ist, soll er sich etwas erholen. Also wohnt er jetzt erst mal bei mir “auf dem Land”, wo die Luft besser und sauberer ist, der Streß kleiner und wir zusammen sind.

 

Ich kümmere mich schon darum, daß es ihm besser gehen wird. Langsam und zuversichtlich. Wir genießen die Tage, experimentieren mit verschiedenen Rezepten, was er Essen darf, was ihm gut tut, und worauf er tunlichst verzichten muss, wenn er wieder mal eine schreckliche Kolik bekommt. Es ist manchmal schwierig, weil keiner genau weiß, was man ohne Magen eigentlich noch essen darf oder kann.

Viel Literatur gibt es nicht. Nachdem wir gemeinsam im Internet recher- chieren, stellt sich raus, daß es neben DEM Buch von Mestrom nur noch eines gibt, das eine Ernährung ohne Magen beschreibt.

 

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als zu experimentieren. Meistens läuft es gut, bis auf den Tag, als es Spaghetti mit Hackfleischsauce aus Putenhack gibt. Erstmal darf kein Fett zum Kochen verwendet werden.

Jedes Fett kann die Nahrung schneller wieder nach draußen befördern und je mehr Fett er ist, desto dünner wird er.

 

Zweitens darf kein Kohl, Zwiebeln oder Pfeffer verwendet werden. Kohl bläht, was Schmerzen verursachen kann. Zwiebeln können ohne Magensäure nicht verwertet werden und Pfeffer kann die empfindlichen Schleimhäute angreifen. Alles haben wir beim Kochen beachtet, jedoch hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

 

Das Hack war, wie soll ich sagen, zu komprimiert. Und lag wie ein Klumpen im Bauch. Was dazu führte, daß er entsetzliche Qualen litt. Ich konnte nichts anderes tun, als ihm die Hand zu halten und Schmerzmittel einzuflössen, als er die Koliken durchlebte, was cirka 30 - 40 Minuten dauerte.

 

09.05.2006

 

Die erste große Nachuntersuchung ist angesagt. Mit Tomographie und allem Schnicki schnacki. Schon Tage vorher breitet sich Nervosität, Angst und Hoffnung aus. Ist der Krebs gewachsen, oder ist er kleiner geworden?

 

Als der Tag kommt und Horst ins Krankenhaus geht, zitternd an der Anmeldung steht, teilt man ihm mit: Leider könne er nicht untersucht werden, da die Ärzte in Würzburg beim Streik sind! Er kann wieder heimfahren. Es ist unglaublich! Aber wahr!

 

10.05.2006

 

Nach dem Schock meldet sich Horst erst mal bei seiner Hausärztin, da ja keinerlei Untersuchung gemacht wurde und nächste Woche die Kur ansteht, die von der Klinik anberaumt wurde. Ein Arztbericht ist immer noch nicht da.

 

12.05.2006

 

Kein Tag ohne neuen Ärger. Heute ist Horst gar nicht gut drauf. Er hat mit seiner Bank telefoniert und die Mitteilung bekommen, dass der Kompagnon, Jan, mit dem er zusammen 3 Wohnungen in Gauting gekauft hat, seinen Hypothekenanteil nicht fristgerecht bezahlt hat.

 

Er und Jan haben vertraglich festgelegt, daß im Falle eines Ausbleibens der Zahlung einer der Kaufparteien die Zahlung einmalig übernehmen muss. In diesem jenen Falle 3.900 Euro auf einen Schlag.

 

Horst schimpfte wie ein Rohrspatz, fluchte und hieß Jan all das, wofür ich als Kind eine aufs Maul bekommen habe, wenn ich diese Worte sagte. Also hat der liebe Jan keine Kohle mehr, so wie es aussieht.

 

REHA

 

16.05.2006

 

Es ist Montag morgen. Ein lauer Frühlingstag steht an. Wir packen alles, was Horst so für die nächsten 6 Wochen braucht ins Auto und starten gen Süden. Ne ganze Menge Klamotten braucht man, wenn es vom Frühling in den Sommer geht. Und 6 Wochen sind ja nicht wenig.

 

Fast den halben Kleiderschrank haben wir dabei. Was fehlt, ist allerdings der Arztbericht! Die Klinik St. Irmingard liegt sehr idyllisch in Prien am Chiemsee. Nebenan sind einige Pens-ionen, einige gute Lokale und die Schiffsanlegestelle für die Schiffe, die den Sommer über die beiden Inseln Herrenchiemsee und Frauenchiemsee anlaufen.

 

Nachdem die Aufnahmeformalitäten erledigt sind, suchten wir sein Zimmer. Es lag sehr schön mit Blick auf den See und die Anlegestelle. Links davon eine kleine Bucht mit Schilf, dann der See mit der großen Insel, dem Schloß darauf und im Hintergrund die Berge. Sehr romantisch.

Wir erkunden die nähere Umgebung und finden auch ein schönes Cafe am Strand, wo es den besten Cappuchino des ganzen Chiemgaus gibt, wie wir spontan beschließen und auch der Bedienung mitteilen, die uns beide spontan in ihr Herz schließt.

Nachdem wir uns also wieder auf den “Heimweg” in sein Zimmer machen, reden wir noch über die nächsten Tage, wie wir wann telefonieren können und wann ich das nächste mal kommen kann, da die Strecke gut 100 Km einfach beträgt. O.K. Also erst am Wochenende.

 

23.05.2006 Die Kurklinik hat mit dem Münchner Klinikum telefoniert. Was kam dabei raus? Horst muss die soeben begonnene Kur zum 30.05 wieder abbrechen, da er ja für 1. Juni in Großhadern zur nächsten Untersuchung mit anschließender Chemotherapie registriert ist.

 

Angeblich hat man ihm das mehrere male mitgeteilt. Komisch, weder er noch ich wussten irgend etwas davon…. Aber das gute daran ist: Er kann also wieder heim. Als ich ihn das erste Wochenende am Chiemsee besuchte, freuten wir uns wie die kleinen Kinder, daß er wieder nach Hause kann, wenn es angeblich auch nicht dienlich für die Erholung ist.

Wir verbringen den Samstag mit Boot fahren und die Fraueninsel besuchen, Essen gehen (was immer ein schwieriges Unterfangen war, da die Bedienung genau instruiert werden musste, was sie dem Koch weitergeben musste, da er ja vieles nicht essen durfte).

 

Trotz alledem genossen wir unser Zusammensein. Ich beschloss, nicht nach Hause zu fahren, sondern die Nacht im Hotel Schiller zu verbringen. Nicht alleine, versteht sich!

 

01.06.2006 Wieder daheim geht’s also in die Klinik zum MRT. Davor sagt die Ärztin noch: „Naja, jetzt hat sich das ganz schön verzögert, aber wenn sie zu keiner Untersuchung auftauchen ……“ Das schlägt ja dem Fass den Boden aus. Horst war wütend, ich ebenso. Am liebsten würde ich auf einer Pressekonferenz den Herrn Ärztevertretern, Gesundheitsministern, Beschwerdestellen und Medien folgende Wahrheit ins Gesicht schreien:

 

„Ist das Deutschland, dessen hochmedizinisch technische Entwicklung weltweit anerkannt ist? Ist das das Land, in dem todkranke Menschen belogen werden? Zum Forschungsobjekt degradiert werden? Stehen medizinische Interessen höher als menschliche? Hat man in diesem Land Zeit im Überfluss, die man mit Streiks verbummelt, dessen Zeit den Todkranken vom Leben abgezogen werden kann, ohne Quittung?

 

Ist das o.k. in Deutschland, wenn aufgrund nicht rechtzeitig gemachter Untersuchungen einem Tumor so viel Zeit gelassen wird, daß er dem Patienten schneller das Ticket zum Tod besorgen kann? Vermutlich haben die Krankenkassen dadurch diese unwiderstehlichen Vorteile! In welcher harten-profitorientierten-verlogenen-unflexiblen-bürokratischen-schlampigen- verantwortungslosen Welt leben wir eigentlich ?

 

Ich konnte meine Wut schließlich in mehreren E-mails ausleben, die ich an den Bundesverband der Krankenkassen schickte, der deutschen Krebshilfe und der bayrischen Krebsgesellschaft. Irgendwie schien der Ruf nach Hilfe zu verhallen, doch Frau Dr. Kalbheim von der Krebshilfe schreibt zurück: Tröstende Worte, Teilnahme an dem Problem der Krebsversorgung, vor allem der psychosomatischen, jedoch nichts konkretes, greifbares.

 

Nun denn, was hilft der Wutausbruch? Nichts. Der Krebs lässt sich nicht aufhalten. Man stellt also fest, er hat 2 Metastasen in der Lunge und 3 in der Leber, deshalb gibt’s die nächste Chemo. O.K., dem Krebs gefällt es, wie Horst kämpft. Dann werden wir uns mal ein bisschen anstrengen und zurückschlagen. Das muss doch klappen, irgendwie.

 

WIEDER CHEMO

 

17.06.2006 Es gibt da ein neues Mittelchen, das nun ambulant getestet werden kann. Böse Nebenwirkungen hat es allerdings! Die Extremitäten, sprich Hände und Füße können gefühlstaub werden. Bei Versuchen in den USA sind bei 5000 Patienten leider 13 gestorben.

 

An Medikamentenunverträglichkeit. Glück gehabt, somit fallen die aus der Krebsstatistik raus. Horst testet das Zeug und geht durch die Hölle. Ich muss miterleben, wie er Hände bekommt, deren Farbe an fahle graue Asche erinnert. Er darf nur noch mit Handschuhen in den Kühlschrank greifen.

Beim Nägel schneiden darf er sich auf keinen Fall verletzen, da die Blutungen nur schwer zu stillen sind. Nachtschweiß, ständiger Juckreiz an Händen und Füßen rauben ihm den Schlaf. Alles Essen schmeckt nach Metall. Sein Gaumen ist wund, er ist müde und aufgeputscht zugleich.

 

 

Nachdem die Nebenwirkungen so extrem sind, bekommt er zudem noch Medikamente, die den Nebenwirkungen entgegentreten. Und Schlafmittel. So steigert sich sein Schlafmittelkonsum ständig. Nachdem er schon 4 Stück nimmt, die eigentlich für einen 3wöchigen Dauerschlaf sorgen würden, kann er endlich 8 Stunden am Stück schlafen. Die ganze Therapie ist die Hölle. Schmerzen im Brustbereich und in der Leber machen ihm die Tage zur Qual. Es wird immer schlimmer.

 

Schließlich kommen auch die ganz harten Sachen aus der Morphin - Familie zum Einsatz.

 

28.08.2006 Auf einem Grillfest im August bricht er zusammen. Wir waren bei meinen „Papas“ - also bei meiner Gay-Family - zum Grillen eingeladen. Peter und Sepp, meine “Väter” luden zum Fest mit den „Söhnen“ Stephan, Martin, Christian, Maik, Michael und natürlich dazu immer deren Partner. Wir waren also ca. 10 Leute. Horst und ich waren früh dran. Horst ging es an diesem Tag nicht gut und er bat um ein Plätzchen, wo er sich hinlegen kann. Er war fix und fertig. Ich auch.

 

In meiner Not und Verzweiflung rief ich den behandelnden Onkologen an und fragte um Hilfe. Er sagte mir welche Medikamente ich ihm noch zusätzlich geben könnte, damit er wieder auf die Beine kommt. Wir verließen schließlich die Party und fuhren nach Hause. Horst wollte gar nicht, daß ich zu Hause bliebe. Schließlich hab ich mich das ganze Jahr auf das Fest gefreut und soll doch noch ein paar Stunden dort hinfahren.

 

Also fuhr ich wieder hin. Ich war völlig aufgelöst und verheult, als mir Peter die Türe öffnete. Als er mich tröstete, ging es mir besser. Ich musste wohl akzeptieren: Es scheint nicht mehr lange zu dauern, bis Horst der Welt Adieu sagt. Das Grillfest war damit für mich gelaufen, wie man so schön sagt. Es war einfach zum Heulen.

 

Die Tage ziehen sich manchmal unendlich in die Länge. Horst's Schmerzen machen, was sie wollen. Einen Tag nach dem Grillfest teilt ihm sein behandelnder Onkologe mit: Ein Arzt aus dem Klinikum Dachau hat sich dazu bereit erklärt, die Metastasen in der Leber zu entfernen.

 

Man kann auch mit einem Drittel der Leber weiter leben. Bevor diese Operation ansteht, entschließt er sich nach langem hin und her, endlosen Gesprächen und abwägen schließlich dazu, die ambulante Chemotherapie abzubrechen. Schluß mit der systematischen Vergiftung.

 

Und siehe da, daraufhin verbessert sich sein Zustand wieder etwas. Was komisch erscheint, er träumt sehr lebhaft. Ich vermute fast schon, die Heilsteine am Bett und meine Bitten tun endlich ihre Wirkung.

Immer wieder träumt er von Fellen, ja Tierfellen. Insbesondere von Fuchsfellen. Irgendwann meinte er, er müsse unbedingt an Fuchsfelle kommen und diese zu einer Decke nähen. Das hat ihm sein Traum gesagt.

 

Geträumt, getan. Wenn er einen guten Tag hat, setzte er sich an den Computer und ersteigerte in Ebay Fuchsfelle. Erst eins, dann noch eins, und noch eins und noch eins. Nach einer Weile hatte er 15 Fuchsfelle ersteigert, den billigsten für 3, den teuersten für 20 Euro.

Nachdem nun die toten Füchse unser Wohnzimmer zieren, näht er Stück für Stück zusammen. Erst die ersten 7 nebeneinander, dann die nächsten 8. Und schon zieren zwei Fuchsdecken unsere Couch.

 

Dann träumte er von Kuhfellen und sagte tags darauf, er muss sich Kuhfelle zulegen und darauf liegen, das würde ihm helfen.

 

02.10.2006 Klinikum Dachau. Die Operation ist gut verlaufen. Der Professor, der ihn operiert hat, sagte mir, er hat die Geschwulst an der Leber entfernen können, es sieht gut aus.

 

Moment mal: DIE Geschwulst? Das heißt, es ist eine? Ich dachte, es wären mehrere? Sind die 3 schon zu einer zusammengewachsen? Egal, nicht darüber nachdenken, sonder freuen. Jedenfalls will Horst schon wieder 6 Tage nach der OP aus der Klinik, denn die Zimmergenossen sind alles andere als lustig.

Ein 95 jähriger komatöser und ein 69 jähriger Labersack mit 200 Kilo können keine gute Party abgeben. Also hol ich ihn da raus, um ihm bei mir zu Hause wieder aufzupäppeln und zu pflegen. Immer wieder spreche ich mit ihm, seine Visualisierung nicht zu vergessen. „Denke daran, die grünen Helferlein sind stark, stärker als alles, was dir schadet...“ Die Heilsteine, die ich an sein Bett stellte, pflege ich auch.

 

Ich entlade sie, wasche sie unter einem imaginären Wasserfall und lade sie wieder in der Morgensonne auf. Oftmals lege ich meine Hände auf seinen Körper, ohne daß Horst es merkt, denke ich. Aber da denke ich wohl etwas falsch, denn ab und zu sagt er jedoch: „Ich merke, daß Du mir Energie schickst, aber mach langsam, du brauchst sie auch.“

 

Nichts desto trotz, wieder geschieht etwas unerklärliches: Die Schmerzen gehen langsam weg. Der Arzt rät ihm im Dezember, ein CT der Lunge und ein Knochenszintigramm machen zu lassen, da die Schmerzen in den Knochen zunehmen.

 

Also machen wir einen Termin in der nächstgelegenen Klinik mit der entsprechenden technischen Ausrüstung aus und fahren dort hin.

 

13.12.2006 Hoffentlich ist das ein guter Tag, denn es ist der 13.te. Abwarten. Nachdem wir also dort sind, die übliche Wartezeit absitzen und Horst schließlich untersucht wird, warten wir wieder, auf das Ergebnis. Als der Arzt dann zur Besprechung bittet, gehen wir beide in den Raum, in dem Horst’s Röntgenbilder hängen.

 

Der Arzt sagt: „Also, dadurch daß Sie keine Kontrastflüssigkeit trinken können, kann man auch nicht erkennen, ob im Darmbereich Metastasen vorhanden sind. Das Knochenszintigramm ist auf den ersten Blick jedenfalls ohne Befund. Der Arzt behauptete auch noch, daß er mehrere Magenkrebspatienten hat und die alle das Kontrastmittel trinken.

Der behandelnde Onkologe behauptet jedoch das glatte Gegenteil, Nein, um Gottes willen, nur über die Venen, da ja der nicht vorhanden Magen nichts von der Kontrastflüssigkeit aufhalten kann. Verwirrungen total, das nur am Rande.

 

Ich frage den Arzt: „Und die Metastasen in der Lunge?“ „Welche Metastasen?“ fragt der Arzt! Nach langen hin und her behauptet der Arzt steif und fest: In der Lunge ist kein Krebs!

 

Horst und ich schauen uns nur an und denken uns das, was wir uns vorher schon über ihn gedacht haben, etwas seltsam, der Herr Doktor. Und plötzlich kein Krebs mehr in der Lunge?

 

Aha!? Vielleicht ein Wunder? Was soll man jetzt noch glauben, woher kommen denn die Schmerzen im Brustbereich, in den Beinen, in den Gelenken, wieso immer der Husten ? Wir wissen nicht mehr, wem oder was wir glauben sollen, nachdem die Tumormarker ja immer noch weit überhöht sind, also ein sicheres Zeichen für Krebs sind, oder nicht?

 

Nun denn. Sei dem, wie dem wolle, eins steht jedenfalls fest: Weihnachten 2006 naht und ich wünsche mir das, von dem ich schon seit Jahren träume: Einmal im Leben mit MEINEM Freund ein Fest unterm Christbaum zu feiern

 

 

SCHON WIEDER WEIHNACHTEN

 

Horst’s Ambitionen, die Wohnung, einschließlich Eingangstüre in ein kleines Paradies zu verwandeln, erstaunen mich und bestätigen meine Ansicht: Die schönsten Feste kann man eben nur als Schwuler feiern, denn da stimmt die Deko!!!

 

Und so verwandelt sich meine Wohnung in ein Kleinod in der Elfenstraße. Die Haustürdeko läßt erahnen, daß König Ludwig's Schlösser Modell für Weihnachtsschmuck standen, denn überall glitzert es, funkelt es und sogar die Tischdecke ist mit Goldfäden durchwebt, damit richtig Glanz und Gloria herrscht.

 

Nachdem ich meiner Familie gegenüber den jahrelang gemeinsam gefeierten Heilig-Abend abgesagt habe, weil keiner wusste, ob Horst das nächste Weihnachten noch erleben würde, hatten wir einen wunderschönen, romantischen, liebevollen 24. Dezember.

 

Echt schön! Die Tage später waren auch wundervoll. Freunde besuchten uns, wir besuchten meine Eltern und feierten und lebten und genossen einfach alles. Als ob es das letzte mal wäre!

 

In dieser gefühlvollen Zeit fragte ich ihn unverblümt einmal: “Vielleicht sollten wir heiraten? Was hältst Du davon?” Er staunte und sagte: “Bist Du Dir da ganz sicher?” “Was ist schon sicher, aber ich denke, in Anbetracht der Tatsache, daß Dein Leben nicht ewig währt, sollten wir uns darüber Gedanken machen. Das würde uns einige bürokratische Hürden ersparen” war mein kluger Kommentar.

 

“Dann bist Du Dir auch nicht ganz sicher, ob Du mich heiraten willst, dann lass es mal sein, bist Du es genau weißt”, war seine Antwort darauf, die mich in Erstaunen versetzte. Aber er hatte Recht. Irgendeine Stimme in mir wollte mir etwas sagen, das ich noch nicht verstand, oder hören wollte. Ein halbes Jahr später wusste ich warum.

 

31.12.2006 Silvester

 

Vor einem Jahr sah die Welt noch anders aus. Tja, das einzig beständige im Leben ist die Veränderung, wie es so schön heißt. Wir waren zum Jahreswechsel bei unseren Nachbarn, Ulla und Mike eingeladen. Es kamen auch noch eine ehemalige Arbeitskollegin von mir mit ihrem neuen Freund.

 

Mit Ullas beiden Kindern waren wir dann zu acht und feierten also das kommende Ende. Jahresende wohlgemerkt. Es gab Fondue und sehr viel Alkohol. Naja, nicht zu viel. Wir unterhielten uns sehr gut und so wurde es auch sehr schnell Mitternacht. Also zogen wir uns warm an, um das Feuerwerk, das Mike besorgt hatte, im Hof abzufackeln. Ein lustiger Spaß und ein tolles Feuerwerk, das er von einem Spezialisten hatte, der diese Dinge professionell fertigt.

 

Die halbe Straße war jedenfalls auf den Beinen und in unmittelbarer Nachbarschaft auch die Freiwillige Feuerwehr, die dort stationiert war. Aus Spaß wurde dann aber schnell ernst, als plötzlich Martinshorn und Blaulicht zu sehen war. Warum? Ganz einfach.

 

Die Feuerwehrler hatten ihr Feuerwerk in den nachbarlichen Baum geschossen und so brannte die Krone des Baumes lichterloh. Also fuhr die Feuerwehr 30 Meter, schaltete ihr Tatütata wieder aus, rollte die Schläuche aus und löschte den selbst verursachten Brand ziemlich schnell. Wir konnten uns vor lauter Lachen nicht mehr halten, denn daß so etwas den Feuerwehrleuten passiert, klingt schon sehr nach Spott und Hohn.

 

Man sieht, Silvester kann auch richtig spannend sein. Nachdem wir die letzten Raketen abgefeuert hatten, die letzten Sektpullen geleert hatten, verabschiedeten wir uns und fielen müde ins Bett.

 

Januar 2007 Nachdem wir also gut ins neue Jahr gekommen waren, kamen die Probleme Schritt für Schritt. Das erste: Sein Gewicht. Es verringerte sich jede Woche um ein Pfund.

 

Ende Januar hatte er nur noch 53 Kilo. Bei einer Grösse von 180 cm schon bedenklich. Dann sagte er noch, die Bank macht immer mehr Ärger, seine Wohnung in Gauting muss er jetzt wohl doch verkaufen, da die Belastungen nicht mehr zu tragen sind.

 

Er hatte sogar schon einen Käufer, der Vater der Mieter würde die Wohnung kaufen, über den Preis müsse man sich noch einig werden. Wir gingen von ca. 170.000 Euro aus, jedoch wolle der Käufer laut Bank nur 120.000 bieten.

Das geht ja gar nicht, also müssen wir wohl selbst einen solventen Käufer suchen. Dann ging die Suche auch los. Und dauerte ewig.

 

Gottlob gab es auch gute Nachrichten. Die befürchteten Metastasen in Speiseröhre und Darm waren bei einer Magen und Darmspiegelung Mitte Januar gegenstandlos. Die Untersuchung hatte keinen Befund gebracht.

Endlich mal eine gute Nachricht. Eine. Denn ohne Schlafmittel und Schmerzmittel konnte er nicht mehr schlafen. Die Dosis wurde immer höher, die Medikamente wurden immer mehr, Schlafmittel, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel und seltsamerweise Psychopharmaka.

 

Nachdem auch das Gewicht weiter sank, kamen wir auf eine hervorragende Idee. Urlaub! Warum nicht Urlaub machen, in der Sonne. Der kalte Winter dauerte eh schon viel zu lange und so entschlossen wir uns, dem kalten Februar ein Schnippchen zu schlagen und auf die Sonneninsel Teneriffa zu reisen.

 

Allerdings hatten wir wohl die Rechnung ohne den Wirt ge- macht, wie es so schön heißt. Für den Transport der Medikamente benötigte man eine Zoll-Einfuhr, sowie Ausfuhrgeneh- migung. Die muss in deutsch und in englisch vorhanden sein, damit es beim Zoll keine Probleme gibt, wurden wir aufgeklärt. Also besorgte sich Horst alles was man braucht. Hoffentlich war das auch alles in Ordnung.

 

Schließlich hatten wir schon Bedenken, daß uns ein Rauschgifthund am Flughafen ausbellen würde und wir nicht abheben können. Da wir ja auch Morphinpflaster dabei hatten, im Falle einer extremen Schmerzattacke, rechneten wir mit allem. Eines der Medikamente könnte eventuell die lebensnotwendigen Blutkörperchen vernichten, deshalb musste Horst auch wöchentlich zur Blutbildkontrolle. Dafür hatten wir einen guten Hausarzt aufgetan, der sich gut mit der Betreuung krebskranker Patienten auskannte.

 

Der sagte uns auch, worauf wir alles achten müssen und so weiter und so fort. Auch kontrollierte er die Tumormarker, die aussagen, was der Krebs noch vorhat. Wundersamerweise sanken diese Marker, was uns also mit gemischten Gefühlen Ende Februar Richtung Flughafen reisen lies.

 

Schon ahnend, daß es am Zoll Probleme geben würde, richteten wir es so ein, daß wir 3 Stunden vor Abflug am Airport waren. Aufgeregt stellten wir uns in die Schlange vor der Sicherheitskontrolle an, jeden Moment erwartend, daß so eine Drogentöle losbellt oder der Zöllner den Medikamentenkoffer beschlagnahmt und uns verhaftet. Und was geschah?

 

Nichts von alledem. Der Zöllner hat den Koffer durch die Röntgenanlage fahren lassen ohne auch nur eine Frage zu stellen. Seltsam. Wir hätten mit den ganzen Rausch- und Beruhigungsmitteln handeln können, es hätte keine alte Sau interessiert. Sehr seltsam.

 

Man macht sich daraufhin schon seine Gedanken, wie es mit der Sicherheit auf unseren Flughäfen aussieht…… Egal. Wir sind also brav durch die Zollkontrolle und warten bei mehreren teuren Kaffees auf unseren Flug, der auch pünktlich aufgerufen wird. Rein in den Flieger und rauf in die Luft. Damit die Ohren nicht zumachen, gibt es einen Kaugummi für jeden von uns.

 

Das allerdings führte zu folgendem Problem: Der Flieger war ungefähr 500 Meter über dem Boden, als Horst diesen kleinen Kaugummi verschluckt. Oh mein Gott. Das kleine klebrige Ding bleibt ihm im Hals stecken. Meine Gedanken überschlagen sich. Das kleine klebrige Ding könnte an der Nahtstelle zwischen Speiseröhre und neuem Magen hängen bleiben, Brechreiz verursachen, ihm eventuell einem Erstickungsanfall bescheren.

 

Horst hustet und hustet. Ich denke nur noch: Was tun? Erst die Stewardess verständigen, anschnallen, den Kapitän zur Notlandung veranlassen, was kostet die, wer zahlt die, sind wir da versichert, die Flughafenklinik verständigen, Notarzt bestellen. Kein Gedanke an den Tod, nur was zu tun ist. Langsam werde ich verrückt.

 

Plötzlich hustet Horst nicht mehr, sondern sagt: „So, jetzt ist das Mistding drunten“. Also können wir weiterfliegen. Und auch ankommen.

 

 

REISEFIEBER

 

24.02.2007 Wir landen auf der Sonneninsel Teneriffa. Auf dem südlichen Flughafen und freuen uns, daß es so schön warm ist. 23 Grad, Sonnenschein und lauter nette Menschen.

 

Wir nehmen ein Taxi und lassen uns zum Hotel fahren. „The Grand Anthelia“ heißt das Hotel, hat 5 Sterne und eine wunderschöne Poolanlage, die auf einem Felsvorsprung über dem Meer liegt. Zauberhaft, luxuriös und edel. Unser Zimmer zu einem der anderen Pools beschert uns sogar traumhafte Sonnenuntergänge.

 

Wir genießen es einfach nur, auch wenn es anfänglich Probleme mit dem Restaurantchef gibt, weil der uns ungläubig ansieht, als wir zum Abendessen eine Sonderbestellung ordern. Da Horst abends nichts von dem Buffet essen kann, da alles sehr fettig und schwer ist, gibt es für ihn extra Diät-Essen und gute Wurst, Brot und Käse. Ich hoffe, daß er zunimmt, da er auf 50 Kilo abgemagert ist.

 

Die Tage vergehen wie im Flug und am achten Urlaubstag entdecken wir in einer Apotheke eine Waage. Gewagter Gedanke, aber Horst geht auf mein Drängen rauf auf das Ding und man glaubt es nicht, es ist ein Wunder geschehen. Er wiegt sage und schreibe Acht (8) Kilo mehr als bei der Landung. Hoffentlich ist der Grund das gute Essen und nicht ein explosionsartig wachsender Tumor. Das wird die nächste Untersuchung zeigen.

 

Wie gesagt, wir genießen die Gegend und das schöne Hotel. Wir liegen in der Sonne am Pool, machen kleine Spaziergänge, schlafen sehr viel und haben Spaß am Strand, beim Shopping und im Bett.

 

Wir fotografieren um die Wette und freuen uns des Lebens, das uns bleibt. Aber leider gehen auch die schönsten 10 Tage auch mal zu Ende und unser Rückflug steht an. Wieder dieses mulmige Gefühl. Was passiert beim spanischen Zoll? Nachdem wir also da stehen und den berühmten Kofferscanner passieren, warten wir auf die Hunde. Aber wieder interessiert es keinen, welche Drogen wir mit spazieren führen.

 

Und somit können wir beruhigt nach Hause fliegen. Und den guten Erinnerungen fröhnen. Zu Hause angekommen hat uns der Alltag sehr schnell wieder eingeholt. Die Probleme auch. Horst`s Knochenschmerzen nehmen zu. Ebenso die Tablettendosis.

 

Der Verkauf seiner Wohnung scheint auch schwieriger als gedacht. Auf alle Fälle hat der Käufer sein Angebot auf 140.000 Euro erhöht. Horst will aber nicht weiter runter gehen als 149.000 Euro. Mir ist das sowieso unbegreiflich, warum der Käufer nicht bei 149.000 Euro zuschlägt. Die Wohnung müsste eigentlich mindestens 30.000 mehr bringen, aber ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

 

Nachdem mir Horst sagt, lieber will er die Wohnung für weniger verkaufen, als weiterhin die Probleme mit der Bank zu haben. Welche Probleme? Er beichtet mir, daß sein Konto mittlerweile bei 15.000 Euro im Minus ist und die Kreditkarten gesperrt sind. Aber wenn er mit dem Käufer einig wird, muss dieser schon mal 5.000 Euro Anzahlung leisten, dann sind es nur noch 10.000 Euro Miese. Außerdem bekommt er auch noch von seiner Firma den Urlaubsanspruch des letzten Jahres ausgezahlt, dann sind es nur noch 8.000 Euro.

 

Nachdem wir uns darüber unterhalten und er beim Thema Geld immer wieder sehr empfindlich reagiert, schlage ich ihm folgendes vor: “Wenn der Typ die Wohnung kauft, dauerts noch sicher ein paar Monate, bis du das Geld bekommst. Wenn die Bank solche Probleme macht, kann ich Dir ja im Juni 8.000 Euro leihen, da bekomme ich nämlich einen Sparvertrag ausbe-zahlt.

Dann kannst Du mir ja im Juli oder August die Schulden mit dem Geld aus dem Wohnungsverkauf zurückzahlen“. Nachdem er sich da aber total quer stellt, sagt er am Schluss der Diskussion: “Mal sehen, wenn alle Stricke reißen, muss ich auf dein Angebot doch noch zurückkommen“. Na also.

 

15.03.2007 Jetzt sind wir erst seit 8 Tagen wieder zu Hause, aber schon schmieden wir Pläne. Große noch dazu. Kleine Dinge haben große Wirkung.

 

Ich bestelle ein neues Klingelschild auf dem unser beider Namen steht. Nachdem Horst ja schon so gut wie fest hier wohnt, entscheidet er sich, seine Couch zu verkaufen. An unsere netten Nachbarn, Ulla und Mike, die wohl schon lange so eine Ledercouch haben wollen. Über den Preis sind sich die beiden, Ulla und Horst, schnell einig.

 

Ich denke mir noch, na ja, die Couch hat mal 4000 Euro gekostet. Jetzt ist sie erst 2 Jahre alt ist und davon ein Jahr lang unbenutzt herum gestanden. Und Horst will sie jetzt für nur 500 Euro hergeben? Das kommt mir aber komisch vor. Aber gut, ist ja nicht meine Couch.

 

Er begründet seine Aktion damit, daß er Ulla gern hat und deshalb gibt er die Couch auch billiger her. Und wenn wir dann mal eine Wohnung auf dem Land haben, mit Garten und Hund, dann können wir ja auch eine große schöne Couch gemeinsam kaufen. Na gut, denk ich mir noch.

 

Allerdings zweifle ich an dem Gedanken, wir beide in einer 3 Zimmer-Wohnung mit Garten. Wenn er vorher das Zeitliche segnet, sitz ich alleine in einer großen Wohnung, habe meinen Liebsten verloren und muss mich möglicher weise noch von dem Hund trennen, denn ich muss ja arbeiten. Es sind keine allzu guten Aussichten, aber ich will seinen Traum nicht zerstören, wer weiß, wie lange ich mit ihm noch träumen kann.

 

Meine Zweifel werden immer berechtigter. Mittlerweile nimmt Horst täglich 4 Schlaftabletten, 4 Beruhigungstabletten, 3 von diesen Psychopharmaka und noch 10 von irgendwelchen Be- ruhigungstropfen.

 

Ich hab so den leisen Verdacht, das der behandelnde Psychoonkologe nicht wirklich weiß, was er machen soll. Außerdem verstehe ich nicht, daß er, um von den Schlaftabletten los zukommen, nun noch 3 weitere Medikamente, die ebenfalls abhängig machen, einnehmen soll. In meiner Not, oder Angst, wenden wir uns an die Suchtberatung und an unseren lieben Doktor Meier, der uns immer mit Rat und Tag zur Seite steht.

 

Die Suchtberatung antwortet uns: Sie sollten gegebenenfalls den Arzt wechseln, bzw. einen niedergelassenen Psychiater zu Rate ziehen. Wenn Sie wirklich sicher gehen wollen, so können sie - dringend nur in Absprache mit und auf Wunsch Ihren Freundes - eine medikamentöse Einstellung in einem psychiatrischen Krankenhaus mit Entgiftungsstation angehen.

 

Unser Doktor Meier antwortet: Als ich ihr Mail mit den Medikamenten gelesen habe, hab ich spontan das gleiche wie sie gedacht. Eine Entwöhnungsbehandlung mit den oben geschilderten Medikamenten, die jedes für sich genommen eine massive Gewöhnung verursachen, sehr ungewöhnlich.

Ich sag Ihnen morgen, was ich darüber denke und an wen Sie sich wenden sollten. Soviel vorab: Herr Domberg soll die Schlaftabletten weiternehmen. Die sind noch von allen am harmlosesten. Und ein erholsamer Schlaf sei ihm von ganzem Herzen gegönnt. Kopfschüttelnd, Ihr Doktor Meier.

 

Tags darauf ist Horst bei Doktor Meier, um wieder mal die Blutbildkontrolle durchführen zu lassen. Doktor Meier gibt ihm noch die Adresse von verschiedenen Ärzten, die sich auf Medikamentenabhängigkeit spezialisiert haben. Mal sehen, wie das alles weitergehen soll.

 

20.03.2007 Ulla freut sich wie ein kleines Kind, weil die Couch so schön in die Wohnung passt. Jetzt wollen Sie sich noch einen Hocker dazu kaufen, aber dafür wär es nicht schlecht, wenn Horst die Rechnung von der Couch mitbringen könnte, da steht ja auch die Farbnummer drauf und das Modell der Couch.

 

Als Horst Ende März wieder einmal seine verwaiste Wohnung in München besucht und dort nach der Couch-Rechnung sucht, kann er sie nicht finden. Stundenlang hat er danach gesucht, aber vergeblich, erzählt er mir. Dann vermutet er, das sein Ex-Freund die Rechnung geklaut hat, denn der hat hie und da mal mit Rechnungen angegeben.

 

Wofür er das gebraucht hat, weiß der Teufel. Nun gut, keine Rechnung. Ulla wird den Hocker hoffentlich auch ohne Rechnung nachbestellen können. Seltsam war es trotzdem.

 

28.04.2007 Samstag. Wir verreisen!

Um kurz vor Zehn Uhr geht die Reise los. Wir nehmen den Bus zum Bahnhof, die S-Bahn nach München und dann den Zug nach Passau. Dort steigen wir um auf ein Flusskreuzfahrtschiff.

 

Ja, wir wagen es, mit dem Flussdampfer Arosa Bella von Passau die Donau runter über Wien nach Budapest zu fahren. Es ist wunderschönstes Wetter in Passau und wir sind einige Zeit vor dem Ablegen da. Auf dem Schiff beziehen wir unsere Kabine mit französischen Balkon, packen unsere Koffer aus und gehen raus auf das Sonnendeck um dem Ablegespektakel zuzusehen.

 

Schön, wie ruhig und gemächlich das mächtige Schiff ablegt, um ein Stück Donauaufwärts zu fahren und dann umzudrehen und gen Süden zu fahren. Viele Schleusen, ich glaube 14 gezählt zu haben, machen die Fahrt sehr abwechslungsreich. Als wir am nächsten Tag in Wien ankommen, machen wir uns zu Fuß auf den Weg, um die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

 

Den „Prater“, in dem wir sogar mit dem völlig überteuerten Riesenrad fahren, den Stefansdom, dessen Innenleben einen die ganze Zeit staunen läßt, da die Steinmetze dort wohl alles gegeben haben was sie können, die bunten riesigen Kirchen-fenster, durch dessen Glas die Sonne scheint, die Fußgängerzone und natürlich eines der berühmten Wiener Kaffeehäuser, in dem es nicht nur einfach Kaffee, sondern 15 verschiedene Arten von Kaffee gibt. Große Braune, klaane Braune, Kurze, Gstreckte, Gmischte, mit Schlagobers, Schwarze, und so weiter...

 

Die Wettergötter meinen es gut mit uns und verwöhnen uns mit Sonnenschein und knappen 20 Grad. Wir genießen die Tage und besuchen auch das Hundertwasser-Haus und den Store daneben. Diese wohlgeformte Bauweise, diese runde fließende Art, Leben in die Gemäuer des Hauses zu bringen, erstaunt uns beide. Die Leichtigkeit des Seins gibt uns wieder Kraft und Zuversicht.

 

Vorbei sind die ständigen Gedanken an Krankheit, Leid und Nebenwirkungen der Medikamente. Wir leben einfach, täglich neu, das Leben. Am späten Nachmittag legt die Arosa Bella in Wien ab und wir fahren die Donau abwärts in Richtung Budapest. Vorbei an bewaldeten Hängen, auf denen Burgen aus dem Mittelalter trohnen, gewaltig und immer noch einflussreich. Schlösser längst vergessener Epochen. Klöster aus uralten Zeiten, größer als das Münchner Rathaus. Es ist eine vollkommen neue Art des Reisens.

 

Auf einem schwimmenden Hotel fast lautlos durchs Grüne zu schwimmen und die be- ruhigende grüne Landschaft an sich vorbeifahren zu sehen. Die ersten Häuser kündigen Budapest an. Kurz darauf sieht man das Parlament der schönen Stadt und unser Schiff fährt langsam daran vorbei. Langsam fahren wir mitten durch die Stadt und sind tief beeindruckt von der Kulisse der Brücken, der Straßen, der Fischerbastei oberhalb der Stadt.

 

Als wir unseren „Parkplatz“ erreicht haben, machen wir uns gleich auf den Weg, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Als allererstes besuchen wir die Markthallen von Budapest. Da gibt es alles, was lecker ist, gut riecht und schmeckt. Ein Fest für die Sinne. Mehrere Stunden verbringen wir dort. Dann schlendern wir durch die Gassen der Stadt und klettern auch noch auf den, sagen wir mal Stadt-Berg, von dem man eine ganz phantastische Aussicht über die ganze City hat. Abends machen wir dann eine organisierte Rundfahrt mit dem Bus. Auf die Fischerbastei, wo wir die beleuchtete Stadt in ihrem ganzen Glanz überblicken. Herrlich.

 

Die schönen Tage in Budapest lenken von der Krankheit ab, wir genießen jede Stunde. Leider geht aber auch mal der schönste Urlaub zu Ende und wir machen uns wieder auf dem Heimweg mit unserem schnuckeligen Flussdampfer. Auf der Rückreise lernen wir noch eine sehr nette Dame kennen, die ganz interessiert ist an unserer Lebensgeschichte.

 

Dann erzählt sie auch, worüber sie sich an ihrem Essenstisch mit den anderen immer unterhalten hat und wir erfahren, daß wir an so manchen Abenden wohl Tischthema Nummer eins gewesen sind. Sehr lustig.

 

Etliche Schleusen später passieren wir Wien bei Nacht, und kommen nach Bratislava. Im Grunde eine schöne Stadt. Der Flair des Sozialismus lässt sich nicht verleugnen, was die Stadt liebenswert macht.

Lange verweilen wir dort nicht, den die Liegezeit war kurz. Dann geht es weiter, den gleichen weg zurück bis Passau und von dort - nach einer erholsamen Woche mit schönem Wetter - wieder nach Hause.

 

Schlußteil

DAS ENDE

 

08.05.2007 - Nachdem nun der Gesundheitszustand von Horst immer instabiler wurde, bat mich der momentan behandelnde Hausarzt um ein ganz persönliches Gespräch, zu dem ich Horst’s Zustimmung benötigte.

 

Der Hausarzt wollte mal ein ganz ernstes Wort mit mir sprechen. Ich war also für 17:45 Uhr, kurz vor Praxisschluss vorgemerkt. Die Begrüßung verlief etwas steif, wohlweislich, da der Arzt mit mir über Horst’s Leben, Horst’s Krankheit und Horst’s Tod sprechen wollte.

 

In einem fast eineinhalb stündigen Gespräch brachte mir der Arzt Horst’s Ängste bei und bat mich, wohl in Namen von Horst, ihn nicht tagtäglich zu fragen wie es ihm gehe, ihm nicht täglich danach zu fragen, was die Waage spricht. Das erinnere ihn nur daran, daß er bald sterben muss, sagte er zu mir. Ich war eigentlich völlig von den Socken, wie man so schön sagt, denn damit hab ich nicht gerechnet.

 

Ich machte mir Sorgen um seinen Zustand, ich wollte wissen, wie er sich fühlt, wie es ihm geht, wie er physisch und psychisch drauf ist, denn mir lag nicht sein Tod, sondern sein Leben am Herzen und im Sinn. Der Doktor bremste mein Denken, indem er mir klipp und klar sagte: „Man weiß nicht wie lange er noch lebt, 2 Wochen, 2 Monate oder 2 Jahre, aber finden sie sich damit ab: Er wird sterben, eher früher als später, also Leben sie, genießen sie die Zeit, die sie noch mit ihm haben, er wünscht sich nichts mehr als das. Und akzeptieren sie den Tod“.

 

HAMMER! Ich verließ die Praxis und war wie abgeschossen. Zu Hause angekommen, nahm ich Horst nur in die Arme, drückte ihn und versuchte, meine Tränen so gut wie möglich zu unterdrücken. Alles was ich sagen konnte war: „Danke, Schatz, ich hab es jetzt verstanden“.

 

12.05.2007

Mich beschäftigt die Tatsache, daß es wohl nichts mehr werden wird mit unserem Traum der gemeinsamen Wohnung mit Garten und Hund. Alles scheint wohl daraufhin hinauszulaufen, daß er nächstes Weihnachten nicht mehr mit mir feiern wird.

 

Mir wird schlecht bei dem Gedanken und ich habe Angst davor, meine Gedanken laut auszusprechen. Also behalt ich sie für mich.

 

Horst sagt mir zwischenzeitlich mal, er habe jetzt mit der Mieterin unter ihm, namens Gogo gesprochen, die hat schon wieder gefragt, wann sie in Horst's Wohnung in München ein- ziehen kann. Und Horst bietet ihr an, daß sie Mitte Juni den Umzug klar machen kann. Vorher planen wir noch, den 2. Juni als unseren Umzugstag festzulegen.

 

Wir organisieren Freunde für diesen Tag und fragen auch schon nach passenden Fahrzeugen. Viel gibt’s ja nicht mehr, was in Horst's Wohnung ist. Den Schlafzimmerschrank, die Stühle, den runden Tisch, 3 Regale und viele viele Bücher und ein paar große Bilder. Den Rest, einen kleinen Altarschrank, eine Truhe, Lampen, Geschirr, Teppiche und sonstiges Gedöns, werden wir wohl oder übel erst mal in den Keller packen müssen.

 

Wenn wir alles zusammen pferchen, wird’s schon Platz haben. Auf irgendeine Art und Weise denke ich nicht mehr darüber nach. Weiß nicht warum. Normalerweise bin ich der Planer und Organisator, aber zur Zeit lasse ich alles auf mich zukommen und mache mir keine großen Gedanken.

 

Eigentlich bräuchten wir noch Kartons, Werkzeug, müssen ausmessen, endlich noch zusätzlichen Raum anmieten, da der Keller von Horst voll bis unters Dach ist, aber ich denke mir, das wird schon irgendwie gehen. Seltsam, aber zwei Wochen später weiß ich auch, warum ich nicht weiter darüber nachgedacht habe!

 

24.05.2007

Am Donnerstag, den 24.5.07 hatte Horst wieder mal einen Termin bei einem der bekanntesten Krebsärzte in München: Dr. Bosse. Letzte Hilfe, sozusagen?

 

Gegen 13:30 Uhr rief Jan bei mir in der Firma an. Meine Kollegin Trixi sagte mir, daß er sehr aufgeregt geklungen habe, und das es um Horst gehe. Ich dachte mir, hoffentlich ist nichts mit Horst passiert.

 

Ist er umgefallen und in der Klinik, ist er bewusstlos, oder gar tot? Wieso ruft Jan hier an?

 

Woher hat er die Nummer? Ausgerechnet Jan. Derjenige, der Horst doch in den Ganzen Mist rein geritten hat. Was geht hier ab? Sekundenbruchteile entschieden, ich muss bei Dr. Bosse anrufen. Ich suche noch die Telefonnummer raus und wähle die Praxis an. Der Arzthelferin erkläre ich, daß mein Lebensgefährte heute um 11:30 Uhr einen Termin in ihrer Praxis hatte, ob er denn schon da war?

 

Sie fragte mich 3 mal nach Horst’s Namen und seinem Geburtsdatum und sagte dann:

“Ich hab heut mit einem Herrn Domberg gesprochen, aber der ist geboren am 9.12.56 und heißt Friedrich mit Vornamen.”

Ich sagte: “Nein, das ist er nicht, Horst ist am 23. März 62 geboren“. Sie solle doch noch mal nachsehen.

Dann sagte sie: “Nein, ein Horst Domberg war heute nicht da, war er denn schon mal da?“ “Ja, im Februar müsste er schon mal da gewesen sein.” sagte ich und denke mir, rede ich altindisch oder so? Wieder die Frage nach dem Geburtsdatum. Gleich platz ich! „23.3.62!!!!!!“

 

“Nein, den gibt’s bei uns nicht.” WIE BITTE? WAS? Irgendwas geht hier verkehrt, aber was?

 

Zwischenzeitlich ruft Jan nochmals bei mir in der Arbeit an und hat meine Kollegin Tina am Apparat. Ich lasse mich verleugnen und frage sie nachher aus.

Nachdem von Tina aber nie eine klare Aussage zu bekommen ist, überlege ich hin und her. Trixi rät mir, ihn doch zurück zu rufen. Wenn's um die Wohnung gehen sollte, kann ich ja auflegen. Ich tu es. Rufe Jan an und frage um was es denn geht.

 

Jan: “Ja, ich wollte den Horst erreichen, weil ich seit 2 Monaten keine Miete mehr bekommen habe!” “Wieso Miete?” Jan: “ Ja, er wohnt ja schließlich in meiner Wohnung!” “Wieso Deine? Er hat mir erzählt, daß es seine Wohnung sei!” fragte ich, am Rande des Wahnsinns zurück. “Ja, das erzählt er gerne und überall, aber Fakt ist, er wohnt seit 2001 in meiner Wohnung am Bachplatz 23 für 490 Euro inklusive Nebenkosten und Garage!!!”

 

Darauf hin fragte ich ihn: ”Ja und die Wohnung in Gauting, weswegen er gerade beim Notar sitzt, hattest Du die nicht mit ihm zusammen gekauft?” “Welche Wohnung in Gauting? Da hatte ich noch nie eine Wohnung. Aber ich glaube, das was du gerade erzählst, kenne ich.

 

Das hat er mit mir vor 6 oder 7 Jahren schon genauso mit mir gemacht. Aber ich will jetzt nicht mehr dazu sagen.” sprach er. Während ich mit Jan redete, rief Horst auf der Büronummer an.

Also tauschten Jan und ich die Telefonnummern aus und verabredeten uns für schnellst möglichen Austausch.

 

Darauf hin rief ich Horst zurück. Er sagte: “Hallo Schatz, ich war so lange bei Dr. Bosse. Erst musste ich so lange warten, dann haben sie mir Blut abgenommen. Tumormarker kommen nächste Woche Donnerstag, aber es schaut wohl schlecht aus. Er vermutet Knochenmetastasen überall. Ich hab noch mit Dr. Bosse gesprochen und er meinte ich müsse wohl eine Akut-Chemo machen, worauf ich ihm gesagt habe, daß ich letztes Jahr schon 3 Chemos gemacht habe, Dr. Bosse hat gesagt, dann wisse ich ja, wie es läuft. Und beim Notar war nur ein Vertreter vom Käufer da, der jetzt unterschrieben hat. Die Unterlagen schicken Sie dann in 2 Wochen in die Elfenstraße. Ist irgendwas?” fragte er. “Nee, nur Streß” antwortete ich.

 

Als ich mir das alles anhörte, glaubte ich verrückt zu werden. Ich legte auf. Also rief ich wieder bei Dr. Bosse an! Diesmal war eine andere Sprechstundenhilfe dran. Nachdem ich meinen Spruch aufgesagt habe, meinte Sie nur, da könne sie gar nichts dazu sagen, da darf sie keine Auskunft geben.

 

Ich drohte mit Polizei, da ich vermutlich einem Hochstapler aufgesessen bin. Sie sagte nur: „Wenn Sie meinen, damit weiterzukommen, dann tun Sie es doch“. Den Titel -Blöde Kuh- verkneif ich mir. “Aber ich will es doch gar nicht wissen, ob er bei Euch Patient ist! Ich will nur wissen, ob er heute da war?” flehte ich sie an. Daraufhin kommt tatsächlich: “ Einen Patienten mit diesem Namen gibt es nicht auf unserer Tagesliste!”

 

Also war er nicht da, sondern hat mir alles vorgelogen! Wie konnte er das nur tun? Wie konnte er eine Ewigkeit so lügen? Wieso nur, wieso? Ich versteh es bis heute nicht.

 

Irgendwie schien gerade der Himmel einzustürzen. Ich glaubte das alles nicht. Das kann doch alles gar nicht war sein. Den Rest des Nachmittages habe ich arbeitstechnisch so gut wie nichts mehr auf die Reihe gebracht, da ich mich schon seelisch und moralisch auf den Abend vorbereitete.

 

Kurz nach 18 Uhr fuhr ich dann nach Hause. Auf dem Weg dahin sah ich Horst auf dem Gehweg, cirka 200 Meter vor der Wohnung. Also hielt ich an, drehte das Fenster runter und sagte: “Wohin so schnell?” Er lächelte, kam über die Straße und stieg ein. “Könnten wir noch schnell bei der Apotheke vorbeifahren ? Ich hab neue Rezepte bekommen, die muss ich noch abholen, außerdem gehen mir die Schlaftabletten langsam aus.” “O.K.” war mein ganzer Kommentar. Nach der Apotheke sind wir dann nach Hause.

 

Kaum das die Wohnungstür zufiel, fragte ich ihn: “Und, wo ist das große Schriftstück?”

 

“Welches Schriftstück?” frage Horst. “Na, du wirst doch nicht die Wohnung für 149.000 Euro verkauft haben, ohne irgendein Schrieb oder Vertrag bekommen zu haben?” fragte ich ihn.

 

“Ich hab dir doch schon Nachmittag am Telefon gesagt, daß der Notar alles hier her schickt!

 

Was soll denn das jetzt, ist irgendwas?” wurde er pampig. “Ja, aber das sollten wir im sitzen besprechen” sagte ich und ging in die Küche. Er kam nach und setzte sich.

 

“Heute hat Jan bei mir angerufen”, begann ich das Gespräch “und fragte nach der seit 2 Monaten überfälligen Miete”. “Welche Miete” frage er. “Er sagte, du hast mit ihm einen Mietvertrag, und zahlst ihm 490 Euro Miete jeden Monat”. “Der spinnt doch, das ist doch meine Wohnung, der hat doch einen Vogel, der soll mal aufpassen, was er da sagt” sagte er, der Frechheit noch eins draufzusetzen.

 

Ich sagte weiter: ” Er sagte mir noch, das ich gerne den Grundbuchauszug sehen kann, wenn ich ihm nicht glaube,” “Das glaubst du ihm doch nicht, der lügt doch”, sagte Horst. Ich sprach weiter: “Du zahlst ihm mit Garage 490 Euro. Ihr habt zusammen in der Wohnung gewohnt, bis Frühjahr 2001 und dann ist er ausgezogen und du hast einen Mietvertrag bekommen. Wieso lügst du mich so an? Wieso?”.

 

“Das ist ja gar nicht wahr” sagte er, “wir haben da ein stilles Übereinkommen”. “Aha, und das sieht so aus, daß Du ihm Miete bezahlst oder was? Und jetzt seit 2 Monaten nicht mehr. Jetzt weiß ich auch, warum dein Handy angeblich nicht mehr geht. Du bist so was von pleite, kannst nichts mehr zahlen und lügst dann auch noch munter weiter, oder?” Schweigen seinerseits.

 

Ich dagegen lief zur Hochform auf. “Und bei Doktor Bosse warst Du auch nicht!” “Natürlich war ich dorten. Ich hab so lange warten müssen, weil so viel Leute im Wartezimmer saßen, das hab ich Dir auch gesagt”, log er munter weiter. “Komisch, ich hab versucht Dich dort in der Praxis zu erreichen, aber keiner kennt Deinen Namen in der Praxis, wie willst du mir das erklären?” frage ich. “Ich weiß ja nicht, wo Du da angerufen hast, aber ich war von 11 Uhr 30 bis um halb eins dort”, behauptete er noch steif und fest.

 

“Sehr seltsam”, sagte ich, “ich habe sogar 2 mal dort angerufen und auch beim zweiten mal kannte man weder deinen Namen noch dein Geburtsdatum”. “Aha, spionierst Du mir etwa hinterher?” fragte Horst. “Ich spionier dir nicht nach, ich hab mir Sorgen gemacht, und wollte Dich erreichen, weil Jan heut Mittag in der Firma anrief und mit meiner Kollegin telefonierte, dann dachte ich noch, er führt irgendwas im Schilde, weil ja heute auch noch der Notartermin ist. Deshalb!

 

Und Wohnung in Gauting gibt es auch keine, es gibt keinen Notar, es gibt keinen Käufer, der immer krank ist und es gibt auch keine 149.000 Euro. Wieso lügst du mich so an? Was gibt dir das? Ich hab mir den Arsch aufgerissen, um dir zu helfen wo ich kann und Du?” Jetzt war ich in Hochform, allerdings immer noch sachlich.

 

“Weißt Du, ich dachte, wir haben eine Beziehung, wir vertrauen uns einander, aber Du verarschst mich seit über einem Jahr! Wieso tust Du das?” wollte ich wissen.

 

Betreten senkte er seinen Kopf und sagte: “Ich weiß es nicht”. “Komm mir nicht damit, solche Geschichten erzählt man nicht ohne irgendwas, ich habe Dir vertraut, meine Gefühle offenbart, ich hab alles für Dich getan und Du?” Wieder nur Schweigen von ihm.

 

Ich sagte weiter: “Weißt Du, ich kann das alles gar nicht fassen. Wie lange Du mir schon diese Storys erzählst, ich komme mir so ausgenutzt vor, so betrogen, so…. so hintergangen. Du hast meine Gefühle mit Füßen getreten. Das kannst Du mit einem Hund machen, der kommt zu seinem Herrchen zurück. Aber nicht mit mir, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ich will, daß du die Wohnung verlässt.”

 

Das war im dann doch zu viel. Plötzlich sagte er: “Nein, das wollte ich doch alles nicht, es tut mir leid. Ich wusste keinen Ausweg mehr, bitte bitte schick mich nicht weg. Ich hab doch nur dich. Du bist doch alles was ich habe, bitte sei nicht so hart. Schick mich nicht weg.” Ich konnte nicht anders, ich sagte: “Ich kann dir nicht mehr trauen, pack bitte das zusammen was du brauchst. Ich fahr dich dann nach München.”

 

“Bitte schick mich nicht weg.” versuchte er es wieder. Beinahe kippte meine Meinung wieder um, aber auch nur beinah. “Ich will dich nicht mehr sehen, bitte pack jetzt deine Sachen!” blieb ich bei meiner Aussage.

 

Als er meinte: “Ich kann auch mit der S-Bahn fahren”, sagte ich: “Nein, ich fahre dich. Ich bin ja kein Unmensch, ich hab gesagt ich fahre, also pack jetzt und dann fahr ich dich heim” Er ging ins Schlafzimmer und holte seine Reisetasche, packte ein paar Klamotten, Medikamente und Waschzeug, Rasierer und Zahnbürste ein.

 

Dann gingen wir schweigend zum Auto und fuhren nach München. Während der Fahrt redeten wir kein Wort. Ich fuhr mit 200 Stundenkilometer auf der Autobahn nach München und dachtete mir noch, wenn er mir jetzt ins Lenkrad greift, wars das für uns beide.

 

Bevor ich ihn absetzte, sagte ich noch: “Gib mir bitte meinen Kellerschlüssel”. Er fragte: “Wieso denn, hast du Angst, daß ich dir in die Wohnung einsteige?” “Nein, ich will meinen Kellerschlüssel haben!” sagte ich. Eigentlich hätte ich ihn fragen müssen: Wieso, sollte ich denn Angst haben? Vor der Wohnung in München setzte er wieder seinen Dackelblick auf und sagte: “Bitte verzeih mir, ich weiß nicht, warum ich das alles gemacht hab. Es tut mir so leid.

 

Laß mich nicht so lange warten, bitte, ich brauch dich doch. Du bist doch das einzige, das mir noch geblieben ist. Bitte!” Den Tränen nahe sagte ich nur: “Bitte geh jetzt. Ich muss mir das alles erst mal vor Augen führen, ich muss das erst mal verdauen.” “Kannst du mir dann wenigstens noch den Computer und den Fernseher vorbei bringen, sonst ist mir so langweilig“, bat er mich noch.

 

Dann stieg er aus, schloss die Autotüre, blieb stehen und sah mir nach, als ich losfuhr. Wieder und wieder dachte ich darüber nach, was ich alles getan habe. Ihn aufgefangen, als es ihm schlecht ging. Im Internet über Krebs und Heilungsmöglichkeiten studiert, als er schlief. Das Tumorregister der onkologischen Universitäten gelesen. Medikamente und deren Nebenwirkungen studiert.

Mögliche Kliniken für eine Palliativbehandlungen gesucht. Das Archiv der deutschen Krebshilfe besucht. Ein halbes Arztstudium über Krebs gemacht. Ihm zur Seite gestanden, in guten und in schlechten Zeiten.

 

Hier und da mal ein paar Euro zukommen lassen. Bei den Nebenkostenabrechnungen zu seinen Gunsten abgerundet, da ich wusste, daß er durch seine Krankheit und mit der bisschen Rente keine großen Sprünge machen kann. Aber zusammen schaffen wir das, dachte ich. Falsch gedacht. Und immer wieder diese Notartermine, dieser ominöse Wohnungskäufer, der dann ständig krank war. Der immer wieder um den Preis der Wohnung, die es ja gar nicht gab, feilschte. Und dann noch die letzte Hoffnung, Doktor Bosse. ALLES GELOGEN. Das war mir zuviel.

 

 

25.05.2007

GSDF. Die Abkürzung für “Gott sei Dank Freitag”. Nachdem ich letzte Nacht fast kein Auge zumachte, war in mir der Entschluß gereift: Das wars dann! Mit so einem Lügner konnte ich nicht weiterleben. Ich fuhr in die Arbeit, wo die Kolleginnen fragten, ob das gestern tatsächlich alles wahr war. „Ja, leider.“ Musste ich sagen. Meine Chefin war ganz verdutzt, daß es nun tatsächlich alles so war, wie es sich gestern Nachmittag leider schon heraus kristallisierte.

 

Da wir in der Firma auch einige leere Umzugskartons stehen hatten, fragte ich, ob ich die haben könne, da ich heut abend und morgen alles was Horst gehört, einpacken will und ihm wieder nach München bringen werde. “Alles kein Problem“, sagte meine Chefin. Ich bekam sogar den Firmenbus, um alles, was sich in einem Jahr gemeinsamen Wohnens so ansammelt, zusammen zu packen und wieder da hin zu bringen, wo es hingehört.

 

Also habe ich Freitag abend noch cirka 15 Umzugskartons mit Büchern, Kleidung, CD’s, DVD’s, Geschirr, Fellen, Teppichen, Figuren, Schuhen und sonstigem gepackt. Am Samstag früh bin ich dann in die Firma, hab dort Autos getauscht und bin wieder mit dem Transporter in meine Wohnung. Dort hab ich dann die ganzen Kartons vom dritten Stock nach unten geschleppt.

 

45 Stufen einfach! Ich wollte die Sachen raus haben aus meiner Wohnung. Ich brauchte wieder Luft zu atmen. Nichts sollte mich daran erinnern, 17 Monate lang zum Narren gehalten worden zu sein. Das schwerste Stück, einen großen Ledersessel mit Hocker hat mir dann doch ein Problem bereitet. Zufälligerweise kam mein Nachbar vorbei und half mir, das schwerste Stück 45 Treppen nach unten zu befördern.

 

Meine beiden “Papa’s” kamen dann mit Verspätung für die letzten Kleinigkeiten, ein paar Teppiche und Bilder, Kaffeeautomaten und Geschirr. Als das verstaut war, fuhren wir zu dritt nach München. Ich war unendlich froh und dankbar, daß Sepp und Peter dabei waren. Alleine wollte ich da nicht mehr hin.

 

In München angekommen, parkte ich auf dem Gehweg, um ausladen zu können. Ich stieg aus und klingelte an der Haustüre. Durch die Sprechanlage hörte ich: “Ja?”. “Ich bin’s, ich bring dir deine Sachen”, sagte ich. Und schon summte der Türöffner.

 

Wir luden die Sachen aus und brachten Sie in den 4.ten Stock. Horst kam uns entgegen, sah Peter und sagte zu ihm: “Es tut mir ja alles so leid”, worauf Peter nur erwiderte: “Ja, ehrlich währt halt doch am längsten”.

 

Das wir fast alles, was er im Laufe des Jahres von München nach Geretsried mitgebracht hatte, nun wieder zurück brachten, war ihm wohl sehr unangenehm, denn es bedeutete ja doch, daß es vorbei ist. Als wir alles ausgeladen hatten, sagte er noch: “Ich hab die ganzen 2 Nächte nicht geschlafen und nichts gegessen”.

 

“Wieso, hast Du kein Geld mehr” wollte ich wissen. “Nein, ich hab kein Geld mehr” sagte er zu mir. Ich, nachdem ich schon gelernt hab, richtig zu denken, sagte: ”Dann zeig mir doch mal deinen Geldbeutel”, worauf er dann plötzlich sagte: ”Ja ein bißchen was hab ich schon noch drin, ich muss ja am Montag den Strom und das Telefon bezahlen”.

“Also hast du gerade schon wieder gelogen”, war daraufhin mein ganzer Kommentar. Das wars. Ende, Schicht, Aus. Machs gut. Kurze Verabschiedung und tiefes Durchatmen. Ab nach Hause.

 

 

VORBEI

 

10.06.2007 Es ist 16 Tage her, daß ich ihn “Rausgeschmissen” habe. Und es ist 14 Tage her, daß ich mit meinen 2 Papas seine Sachen zu 95 % wieder nach München gefahren habe. Zu 95 % deshalb, weil ich die restlichen 5 % als Gegenwert für seine Schulden bei mir behalte.

 

Ich hatte ihm, als er mir einmal von einem finanziellen Engpass erzählte, 1.800 Euro geliehen. Ein anderes mal, als er in seiner Münchner Wohnung zwei Regale brauchte, hab ich die aushilfsweise bezahlt, 150 Euro. Und, der letzte Urlaub, die Schiffsreise auf der Donau.

 

550 Euro pro Nase hab auch ich ausgelegt. Deshalb hab ich den etwaigen Gegenwert in Form eines Fahrrades, zweier Stühle, eines Teppichs, eines Mantels, eines Fotoapparates und noch ein paar Kleinigkeiten behalten.

 

12.06.2007 Um die Sache schließlich und endlich ganz abschließen zu können, dachte ich mir noch so: Der Vollständigkeit halber muss ich dem Arzt, der die Blutbildkontrollen durchführte, Bescheid geben, daß Horst und ich nicht mehr zusammen sind.

 

Da wir früher oft per e-mail verkehrten, schickte ich dem lieben Doktor Meier, nach langer Zeit folgende Mail:

 

Hallo Herr Doktor Meier, Es geht um Horst Domberg, mittlerweile weiß ich nicht mehr, was ich glauben kann. Grund ist ein gigantisches Lügengebäude, das am Donnerstag, den 24. Mai eingestürzt ist. Horst hat mir Termine und Behandlungspläne bei Krebsärzten vorgegaukelt, die nie stattgefunden haben. Befunde, die übertrieben oder falsch erzählt worden sind. Freunden hatte er erzählt, er habe einen Chemo-Therapieplatz in der Berliner Charitè.

 

Außerdem hat er sehr oft seine Zeit in München bei einem Notar verbracht, weil er eine seiner Wohnungen (in Gauting) verkaufen wollte, damit es ihm finanziell etwas besser gehe. Seine „Eigentumswohnung“ in München wollte er vermieten. Fakt ist: Es gab und gibt keinen Patienten Horst Domberg in der Kartei von Dr. Daniel Bosse.

 

Er war nie dort und es gibt auch keine Hochdosis-chemo. Es gibt keine Behandlung in Berlin. Es gibt keine Wohnung in Gauting, geschweige denn einen Notar oder Käufer dazu. Seine Wohnung in München ist nicht seine, sondern die seines Exfreundes. Mir hat er erzählt, daß er 2 Metastasen in der Lunge und 3 in der Leber hat. Außerdem habe er Knochenmetastasen.

 

Bei einem CT im Dezember habe ich mich noch sehr gewundert, weil Professor Laurens in der Klinik sagte, er kann in der Lunge keinen Krebs erkennen. Das Skelettszintigramm war ohne Befund. Der Befund der Koloskopie und der Gastroskopie im Januar war ohne Befund. Die 3 Metastasen in der Leber wurden ihm als 1 Geschwulst im Oktober im Dachauer Klinikum entfernt.

Befund: Gutartig. Meine Frage, die mich jetzt beschäftigt: Haben Sie seine Tumormarker und Befunde schwarz auf weiß oder hat er Ihnen auch nur Märchen erzählt?

 

Viele Grüße - Franz von Gartenberg

 

Umgehend kam von Dr. Meier folgende Mail:

Lieber Herr von Gartenberg, Das sind ja wüste Geschichten. Lassen Sie mir 24 Stunden Zeit, damit ich mir ein Bild machen kann. Wenn das tatsächlich stimmt, dann ui ui ui……

 

So lange brauchte er nicht. Um 16:55 Uhr erreichte mich folgende Mail:

Hallo Herr von Gartenberg, Bitte kommen sie schnell in meine Praxis. Es wäre wichtig. Danke, Dr. Meier.

 

Ich machte mich daraufhin auf den Weg in seine Praxis, die nur 5 Minuten von meiner Arbeitsstelle entfernt war. In der Praxis angekommen, stand ich erst mal an der Anmeldung, wo mich die Arzthelferin fragte: “Haben Sie einen Termin?” Dann ging die Tür des Sprechzimmers auf und Dr. Meier kam mit einer Patientin heraus. “Ach Herr von Gartenberg, kommen Sie.”

 

Und zur Arzthelferin sagte er: “Herr von Gartenberg braucht keinen Termin, das ist jetzt wichtiger.” Ich nahm Platz und Dr. Meier fing auch schon an: “Also, das hab ich auch noch nicht erlebt. Es tut mir ja furchtbar leid, aber da hat uns der Herr Domberg beide ganz schön an der Nase rumgeführt.”

 

“Ich hab vorhin mit seinem Onkologen telefoniert und sagte noch so: Ja, Herr Kollege, wir sprechen doch da von einem Palliativ-Fall. Worauf der Kollege meinte: Wieso Palliativ? Der Herr Domberg ist vom Tod genauso weit entfernt wie Sie und ich. Die Tumormarker sind nur noch bei 4, also außerordentlich niedrig.

Was darauf schließen lässt, daß er zu denjenigen gehört, die eine Spontanremission erleben. Das heißt soviel wie Spontanheilung. Die Kirche würde vermutlich Wunderheilung sagen.

 

Also statistisch gesehen, passiert das nur in einem von 100.000 Fällen. Das ist so wie ein Sechser im Lotto. Das hab ich ihm doch am 24. Mai gesagt, daß es sehr gut aussieht.“

 

Dann hat er es also die ganze Zeit gewusst und mir etwas vorgespielt ??? Gelogen ??? Ja! Er hat genau an dem Tag, an dem er den angeblichen Doktor Bosse besucht hat, das Untersuchungsergebnis von seinem Onkologen bekommen und mir tatsächlich das genaue Gegenteil erzählt.

 

Doktor Meier war auch völlig von den Socken. Er entschuldigte sich nochmals, daß er Horst alles geglaubt hat und mich auch noch auf seinen Tod vorbereitet hatte. “Letztendlich ist dieses Verhalten nicht normal. Jemand, der so Lügen kann, muss schon pathologisch gestört sein”, sagte er, sichtlich erschüttert. Das habe er noch nicht erlebt. So schlimm es auch alles ist, ein gutes hat die ganze Sache aber. Es ist vorbei. Ich werde zwar noch eine Weile dafür brauchen, aber ich werde mich nicht mehr von jemanden belügen lassen müssen.

 

ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG

 

Der 14. Juni. Mein Geburtstag. Er hat sich nicht gemeldet. Gott sei Dank. Besser so!

 

Am Tag nach meinem Geburtstag habe ich in meinem e-mail Postfach in der Arbeit eine e-mail von ihm vorgefunden. Mit Geburtstagsglückwünschen. Er sendet mir einen Glückwunsch zum Geburtstag bla bla bla “…..in tiefer Liebe zu Dir: Horst……” Vorbei.

 

Sowas will ich nicht mehr haben! Kann ich überhaupt noch jemals einem Mann vertrauen?

Vielleicht. Irgendwann einmal. Eines hab ich gelernt. Misstrauisch zu sein. Vorsichtiger. Und irgendwann einmal wieder den Glauben an das Gute im Menschen zu finden. Nach dem Motto:

 

Irgendwer sieht irgendwann, Dich mit einem Lächeln an, macht Dich so unendlich froh, irgendwann und irgendwo. Irgendwann und irgendwie, wirst Du glücklich wie noch nie, irgendwie und irgendwann fängt die große Liebe an.

 

 

 

NACHWORT

 

Das also, lieber Leser, war meine Geschichte. Lange habe ich überlegt, ob ich das zu Papier bringen soll, aber jetzt ist es vollbracht und Sie haben es nun gelesen.

 

Ich sage Danke fürs Lesen und wenn Sie mir einen Kommentar dazu schreiben wollen, tun Sie einfach hier im Kommentarbereich oder persönlich unter:

      

                                           Franzvongartenberg@gmx.de

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Cooler Typ xd (Montag, 18 Januar 2016 15:29)

    Schön das du so Vielheit darein gesteckt hast ist echt cool